ARCH+ 53


Erschienen in ARCH+ 53,
Seite(n) 77-80

ARCH+ 53

Die rationale Architektur der frühen zwanziger Jahre

Von Posener, Julius

14. Vorlesung

Die Architektur der Reform (1900 - 1924)

Dies ist, fürchte ich, der Eindruck, den die letzten Vorlesungen bei Ihnen hinterlassen haben: die Wilhelminische Architektur hatte abgewirtschaftet; die Gedanken, welche Muthesius in jener Werkbundsitzung in Köln im Juli 1914 ausgesprochen hatte: Typisierung, industrielle Fertigung als Aufgabe des Werkbundes wurden durch eine Abkehr von der Industrie aufgehoben: eine Abkehr vom industriellen Kapitalismus - wie bei Taut Abkehr von der Industrie überhaupt, die den Krieg als das bis dahin letzte ihrer antimenschlichen Produkte hervorgebracht hatte - wie bei Tessenow -: die Rückkehr zum Handwerk, zur Kunst, zur Innerlichkeit, ja, zur Religion, von der Gropius bereits 1911 gesprochen hatte, im gleichen Augenblick also, in dem er selbst den modernsten Industriebau der Vorkriegszeit schuf, das Faguswerk, und von der auch Bruno Taut in der »Stadtkrone« sprach, nur daß Taut den Gottesglauben durch den Glauben an den sozialen Gedanken ersetzen wollte. Das war aber nicht so, die Geschichte geschieht so nicht, daß eine Richtung restlos durch die entgegengesetzte verdrängt wird...

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