ARCH+ 48


Erschienen in ARCH+ 48,
Seite(n) 32-37

ARCH+ 48

Frank Lloyd Wright I

Von Posener, Julius

6. Vorlesung

Vorlesungen zur Geschichte der neuen Architektur

Bevor wir uns nun mit Frank Lloyd Wright beschäftigen, müssen wir auf einen Punkt der vorigen Vorlesung zurückkommen. Die Vorlesung enthielt eine Kritik der Theorie des Funktionalismus, wie Greenough sie ausgesprochen hatte und wie sie Häring in seinen Schriften und in seinen Gebäuden und Entwürfen versucht hat, in die Praxis zu übersetzen. Meine Kritik betrifft diese Theorie, nicht die Haltung, welche man ebenfalls Funktionalismus nennen kann. Darunter verstehe ich die Gedanken, welche zuerst wohl Pugin ausgesprochen hat. Er sagte, wie Sie sich gewiß erinnern, daß nichts an einem Gebäude in Erscheinung treten solle als das, was der Standfestigkeit und der Bequemlichkeit dient, also, wie wir es ausdrücken würden, der Konstruktion und der Funktion. Wir haben in unseren Vorlesungen gesehen, wie diese Gedanken von den englischen Landhausarchitekten aufgenommen wurden, wir haben davon gesprochen, daß Lethaby diesen Funktionalismus klar und anschaulich formuliert hat, daß Muthesius ihn als das Ergebnis seiner englischen Erfahrung mit großer Entschiedenheit ausgesprochen hat. Dieser Funktionalismus aber hat niemals gesagt, daß die Form der Funktion folgen müsse, er hat, wie der Autor dieser Formel selbst, Louis Sullivan, stets darauf bestanden, daß ein künstlerischer Einfluß bei der Gestaltung der Gebäude eine bedeutende Rolle spiele. Alles was diese Leute gesagt haben, ist dies: daß ein Haus in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand ist, und daß man ihm das auch ansehen müsse...

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