ARCH+ 48


Erschienen in ARCH+ 48,
Seite(n) 68-71

ARCH+ 48

Großsiedlungen

Von Posener, Julius

12. Vorlesung

Vorlesungen zur Geschichte der neuen Architektur

In Deutschland hat die neue Architektur in den späten zwanziger Jahren zwei Phänomene gezeitigt. An ihnen wird sie heute noch beurteilt. Das eine ist das Bauhaus, das andere sind die großen Siedlungen. Dem zeitgenössischen Beobachter schien es, als gewännen gegen Ende der Zeit der neuen Architektur die Siedlungen zusehends an Bedeutung. Mit ihnen verglichen wirkte das Bauhaus wie eine Einzelerscheinung, bedeutend mehr für die neue Kunst als für das neue Bauen und Planen. Offenbar ist der Gründer des Bauhauses, Walter Gropius; selbst einen Weg gegangen, der diesen Eindruck nahelegte. Seit seinem Rücktritt von der Leitung des Bauhauses sind es zunehmend Fragen der Wohnung und des Städtebaues, welchen sein Interesse gehört. Wir haben in der vorigen Vorlesung unter dem Namen Bauhaus Erscheinungen betrachtet, welche ziemlich weit über den Rahmen der Schule in Dessau hinausgehen. Wir haben vom Weißenhof gesprochen - , und der war eine Unternehmung des Werkbundes. Wir haben von Möbeln, Lampen, Hausrat gesprochen; und wieder müssen wir sagen, daß der Werkbund als Ganzes auf diesem Gebiet größere Erfolge aufzuweisen hatte, Erfolge von einer mehr allgemeinen Gültigkeit als das Bauhaus. Das Bauhaus hat in der Rückschau eine größere Bedeutung als aus der Sicht der eigenen Zeit. Das hat, meine ich, seinen Grund und seine Berechtigung darin, daß das Bauhaus die Bemühungen der Avantgarde am reinsten vertritt. Welcher Art diese Bemühungen waren, haben wir vor acht Tagen versucht zu zeigen...

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