ARCH+ 168


Erschienen in ARCH+ 168,
Seite(n) 62

ARCH+ 168

MADA s.p.a.m.

Von Koolhaas, Rem

Es ist ein trauriges Kennzeichen unserer derzeitigen Begeisterung für China, daß wir den dortigen Fortschritt vor allem daran messen, wie ähnlich China uns selbst wird – mehr Freiheiten, Konsumdenken, Jugendkultur, Yuppies, Gentrifizierung der innerstädtischen Hutongs, ja sogar mehr “Architektur” ... Nach einer anfänglichen Phase der Internationalisierung, wo ausländische Pragmatiker nur zu bereitwillig den schlimmsten Hirngespin- sten ihrer chinesischen Auftraggeber folgten – oder offenbarten sie dabei lediglich ihre eigene Geschmacklosigkeit? – und die Städte mit einfallslosen Hochhäusern, den deplazierten letzten Zuckungen der Postmoderne, und mit riesigen Arealen “öffentlichen Rau-mes” verschandelten, wird heute, offensichtlich als handfester Beweis für Chinas Internationalismus, ein Heer von Superstars bejubelt, deren Vorschläge für Peking – deutsche kilometerlange Achsen, eidge-nössische Nester für die Olympiade, niederländische Bögen für Massenmedien – in ihren jeweiligen Heimatländern nicht die geringste Chance auf Realisierung hätten.
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