ARCH+ 86

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Erschienen in ARCH+ 86,
Seite(n) 57-62

ARCH+ 86

Architektur zwischen Anthropologie und Kinetik

Von Klotz, Heinrich /  Kuhnert, Nikolaus

Von konzeptueller Architektur spricht Rem Koolhaas, von Zweiter Moderne Heinrich Klotz. Gemeint ist ein Architekurkonzept, das auf die „Beweglichkeit der Dinge" abstellt, hierin bestimmten Traditionen der Moderne wie Konstruktivismus und De Stijl verpflichtet.

ARCH+: In dem Vorwort zur Ausstellung „ Vision der Moderne" versuchen Sie eine neue Architekturtendenz als Zweite Moderne einzuführen. Dazu greifen Sie zurück auf bestimmte, bis dato wenig berücksichtigte Bildungselemente der Moderne, hauptsächlich auf den russischen Konstruktivismus. Beginnend mit den 20er Jahren versuchen Sie, eine Linie zu entwickeln, die heute etwa von Rem Koolhaas, Zaha Hadid, Peter Cook, Frank Gehry, Coop Himmelblau und anderen, aber auch von Richard Rogers und Norman Foster aufgegriffen und fortgesetzt wird. Also eine Fortsetzung der Moderne, die sich gleichzeitig von der Postmoderne unterscheidet, wie sie mit ihr parallel läuft, in dem sie über die Funktionen und Zwecke hinaus etwas darstellte, eineflktionale Ebene besitzt. Ist die Zweite Moderne die Richtung, die die Spätmoderne ablösen wird, weil die Postmoderne in der zweiten und dritten Generation von Nachahmern, den „röhrenden Hirschen der Postmoderne", wie Sie sagen, entstellt wird?

Heinrich Klotz: Ich glaube, wir kommen in eine Phase, in der wir Abschied nehmen müssen von den Kampfbegriffen Moderne-Postmoderne. Da prallen zwei Welten aufeinander, ohne daß man sich Zeit genommen hätte, die Geschichte in ihrer Komplexität zu analysieren. Im Namen des weißen Würfels ist sehr viel von dem, was sonst an Ideen in der klassischen Moderne vorhanden war, an den Rand gedrängt worden. Und letztlich war die ganze Kritik am Bauwirtschaftsfunktionalismus eine Kritik an einer vereinseitigten Moderne. Es geht jetzt um ein komplexes Geschichtskonzept: man kann nie sagen, daß etwas aufhört und etwas anderes anfängt; es gibt Korrekturen, Wendemanöver, Intensivierungen vergessener Nebenströmungen, Umschwünge, Brüche - aber das alles nebeneinander. Wenn man als Historiker die Geschichte anschaut, ist unmöglich sie auf die beiden antinomischen Begriffe Moderne-Postmoderne zu reduzieren. Das ist eine holzschnitthafte Vereinfachung der Geschichte, die allenfalls Charles Jencks dazu dienen kann, die Neuerung anzumelden und damit zu sagen: Ich hab's erkannt!...

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