ARCH+ 86

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Erschienen in ARCH+ 86,
Seite(n) 63-64

ARCH+ 86

Die Ästhetik des Verschwindens

Von Virilio, Paul /  Rötzer, Florian

ARCH+: Entwicklungsschub. Was heißt das für den Bezug zum Raum und zur Zeit, wenn sich Zeithorizonte eröffnen, die außerhalb jeder menschlichen Wahrnehmung liegen. Regiert in bälde die Zeit der Bits, der Nano-, Pico- und Femtosekunden?

Paul Virillio: Nun, nicht ich habe mir den Krieg ausgesucht, sondern der Krieg mich. Ich bin 1932 geboren, 33 kam dann der Faschismus und 40 der Krieg; ich habe also meine ganze Jugend im Krieg verbracht. Wie ich schon öfter gesagt habe: nicht ich bin gegen den Krieg, der Krieg ist gegen mich, ganz und gar gegen mich, und meine Ideen sind auf gewisse Weise re-aktionär: sie sind eine Reaktion auf eine bestimmte Biographie und auf eine bestimmte Kindheit. Der andere Aspekt ist, daß der Rationalismus seine strategische, d.h. seine militärische Dimension immer ausgespart hat. Es ist erstaunlich, in welchem Maße die Vernunft bei den Griechen und dann quer durch die Geschichte bis hin zu Hegel und den heutigen Rationalisten das Problem der Kriegs-Intelligenz und der militärischen Strategie verdrängt hat. Es ist, als ob es eine Zäsur gäbe, welche die Vernunft vor der Negativität bewahrt, einen epistemologischen Schnitt, der verhindert, daß die negative Dimension der Vernunft, wie sie im strategischen und militärischen Denken erscheint, erkannt wird...

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