ARCH+ 84

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Erschienen in ARCH+ 84,
Seite(n) 54-55

ARCH+ 84

Einfach - Zweischalig - Dreiachsig

Von Feja, Franz-Jörg

Wer ist nicht schon über jene 12 cm gestolpert, auf welche die DIN 1053 den Abstand zwischen Vormauerschale und Hintermauerung begrenzt, ignorierend die Maßordnung, die zuvor ihre Schwester DIN 105 einführt. Naheliegend ist das Öffnungsmaß von 13,5 cm und zunehmend scheinen sich Architekten in dieser Frage über die heilige Mauerwerks-DIN hinwegzusetzen, so geschehen am Haus Eilermann. Erst jetzt, durch ihre Gesamtstärke von 49 cm wird die Außenwandkonstruktion im Detail stimmig. Dämmung (Mineralfaser 8 cm) und Luftschicht (5,5 cm) können großzügig bemessen werden, sowohl die Verblendung als auch das innere Sichtmauerwerk (Kalksandsteine mit Mineralfarbenanstrich) können in sauberem Verband gemauert werden. Das Detail steht für die Disziplin des Entwurfs: Neun gleiche Teile bilden die Raumstruktur des Hauses, vier innere Pfeiler die einfache Tragstruktur. Das scharf an Ortgang und Traufe abgeschnittene Satteldach bildet einen kristallienen Baukörper: die Kastenrinne ruht auf dem Verblendmauerwerk und stößt seitlich gegen die über die Dachfläche gezogenen Giebelscheiben. Die Entscheidung für den Blockverband macht die Wandfläche greifbarer und den Baukörper fester; zweifelhaft bleibt, ob der Verband einer massiven Wand das angemessene Bild für ein Verblendmauerwerk darstellt, und wer dem Maurer über die Schulter gesehen hat weiß, daß die rückseitig unsauber geschlagenen Kopfschichten, die nun mal keine Binderschichten sind, das Risiko der Mörtelbrücken erhöhen. Die ornamentalen Mauerwerkdetails beschränken sich auf die zweifache Auskragung am Fuß der Giebelscheiben, auf die Ausbildung der Kaminköpfe und auf die selbstverständlichen Scheitrechten Bögen. Eine Küche in Stein. Sowohl Unterschränke als auch Oberschränke in der Küche besitzen gemauerte Seiten. Sie sind im Verband mit der Außenwand gemauert und kragen an den Oberschränken zweifach abgetreppt aus. Die Arbeitsplatten sind direkt aufgelegt und bestehen aus 3 cm starkem Granit. Die wenigen Materialien der Innenräume sind neben dem geweißten Sichtmauerwerk vor allem das Holz des Fußbodens, der Deckenbalken und der Deckenschalung, der Granit sardo bianco in Küche und Bad und das Weiß der Fenster, der wenigen Türen und der filigranen Stahltreppe. Die diagonal verlegten Nadelholzdielen des Bodens sind geölt und gewachst, das übrige Holz im Innern blieb unbehandelt. In einem Allerweltsbaugebiet mit unsäglichem, orientierungsfeindlichem Un-Städtebau voller unbeschreiblicher und doch so gut bekannter „Stadt"-/„Land"-Häuser liegt Eilermann und fällt durch nichts mehr auf als durch seine Unaufdringlichkeit, ein Haus auch ohne die Allüren der gängigen Architekturtrends. Einzig die „Allee" aus Apfelbäumchen mit dem Giebel des Wintergartens an ihrem Ende wäre hier einzuordnen, dies jedoch ein legitimer Ordnungsversuch im vorgartengeschädigten Beziehungsfeld zwischen Straße und Haus.

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