ARCH+ 159/160


Erschienen in ARCH+ 159/160,
Seite(n) 94-99

ARCH+ 159/160

Santiago Calatravas kreativer Prozeß

Von Tzonis, Alexander /  Lefaivre, Liane

Alexander Tzonis: Analytische Problemlösung Liane Lefaivre und Alexander Tzonis: Traumarbeit und Surrealismus

Es gibt zwei sehr unterschiedliche Methoden zu entwerfen und zwei sehr unterschiedliche Arten von Entwurfsintelligenz: die analytische und die analogische. Trotz der hohen Reziprozität zwischen diesen beiden Ansätzen – im Kontext der Arbeitsteilung und der institutionellen Aufspaltung unserer Zeit – herrscht zwischen beiden eine tiefe Trennung. Ingenieure favorisieren den ersten Ansatz, Architekten und Künstler den zweiten. Um den kreativen Prozeß hinter Santiago Calatravas Oeuvre erfassen zu können, muß man einerseits sein analytisches Denken betrachten, wie es sich in seiner Doktorarbeit bzw. den darin enthaltenen penibel definierten Protokollen zur Problemlösung manifestiert, und andererseits seine Skizzenbücher, die uns sein analogisches Denken vor Augen führen. Calatravas Angewohnheit, sich jeden Vormittag mit seinen Aquarellfarben und Skizzenbüchern in sein Arbeitszimmer zurückzuziehen, um dort eine besondere Art des analogischen Denkens auf methodische Weise für sich fruchtbar zu machen, ist, so meinen wir, bloß eine Ursache für seine erstaunliche Kreativität. Die zweite liegt in seinen profunden Kenntnissen auf den Gebieten der Physik und des Bauingenieurwesens. In erster Linie jedoch entspringen seine kreativen Entwürfe einer komplementären Beziehung zwischen diesen beiden Denkweisen – analogischer Traumarbeit und analytischer Machbarkeitsforschung – und aus den ständigen Bemühungen des Architekten, diese Beziehung zu entwickeln und auszuweiten. Obgleich jede dieser Denkweisen eine notwendige Bedingung für Kreativität ist, ist keine von ihnen für sich genommen hinreichend: Sie sind komplementär, und eine permanente Berücksichtigung von beiden resultiert in so etwas wie einer offenen Lernschleife...
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