ARCH+ 71

Download-Preis: 0,90 € In den Warenkorb


Erschienen in ARCH+ 71,
Seite(n) 63-65

ARCH+ 71

Architektur und Macht

Von Kunst, Hans-Jochen

Überlegungen zur NS-Architektur

Fünf Jahre vor der Installierung des NS-Regimes legt Siegfried Kracauer', der Freund Walter Benjamins, dessen These vom Faschismus als Ästhetisierung des Politischen vom NS-Staat in einer nicht mehr zu überbietenden Weise ihre Bestätigung gefunden hat, in seinem Roman „Ginster" einem Architekten, der im Ersten Weltkrieg einen Soldatenfriedhof oder - nach damaligem Sprachgebrauch - Heldenfriedhof zu entwerfen hatte, folgende Worte in den Mund. „Es ist eine bekannte Tatsache, .. daß die Zeiten hart sind, aber seien wir nicht undankbar gegen sie, denn der Krieg hat uns alle gleich gemacht, wie über so unter der Erde, und insofern ist er nicht nur menschlich bedeutend, sondern bringt auch uns Architekten Gewinn. Aus diesen Erwägungen heraus, ... ist der Friedhof herangereift ... Ich bin bei meinem Entwurf von der festen Überzeugung getragen gewesen, daß die erwähnte Gleichheit, die als vaterländisch im höchsten Sinne bezeichnet werden darf, den Verzicht auf jegliche Schmuckbeigabe fordert, darum habe ich statt der gekrümmten Linien gerade gezogen, die so unerschütterlich sind wie die Reihen unserer Krieger, zahllose parallel laufende Reihen, an denen viereckige Gräberplatten nebeneinander stehen, deren genau abgemessene Gleichheit in der Einfachheit gipfelt, die dem grauen Ehrenkleid unserer Braven entspricht, das sich überall fortsetzt, bis in das errichtete Denkmal mit den gleich langen Kanten hinein, dem das Kranzgesims fehlt, da die feinen Profile den Kriegswürfel schädigen, der nackt sein muß, in Anbetracht seiner Bestimmung ..."

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!