ARCH+ 164/165


Erschienen in ARCH+ 164/165,
Seite(n) 84-85

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Der totale Krieg

Von Coy, Wolfgang /  Kittler, Friedrich /  Hagen, Wolfgang

Auszug aus einem Gespräch
Friedrich Kittler: Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Telegraphie für die Armeen eingeführt, zum ersten Mal in der Geschichte trennen sich die militärischen Nachrichtennetze ab von den normalen Verkehrsformen des Schreibens und Redens, von dem, was die Militärhistoriker die “Steinzeit des Befehlsflusses” nennen. In der Regel geschah dieser Befehlsfluß eher mündlich als schriftlich, aber es gibt auch andere Szenen, z.B. in Kleists Prinzen von Homburg, wo Diktat zu empfangen das Problem des ersten Aktes ist. Diese altmodischen Formen brachten es mit sich, daß zur Kommunikation, zum Transportieren von Nachrichten im Ernstfall genauso viel Zeit aufgebracht werden mußte wie im Alltag. Es gab zwar Ausnahmen “digitaler” Signalgebung, die aber nur “Erfolg” oder “Nichterfolg” anzeigen konnten, wie im Fall von Troja, wo eine optische Telegraphenlinie über immerhin 500 km von Troja nach Mykene signalisiert haben soll, daß Troja gefallen ist, die Existenz des Feuerzeichens hieß “ja”, die Nicht- Existenz “nein”...
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