ARCH+ 158


Erschienen in ARCH+ 158,
Seite(n) 96-99

ARCH+ 158

Mass Customization und Moderne

Von Sewing, Werner

Ein englischer Aufklärer des 18. Jahrhunderts war noch der Meinung, daß wir alle als Individuen geboren werden, aber als Kopien sterben. Die Theorie der Zweiten Moderne, die vor zwei Jahren in dieser Zeitschrift als neues Paradigma zelebriert wurde, ist da entschieden anderer Meinung: wir werden immer individueller. Kenner der Ideengeschichte werden sich fragen, was an dieser Theorie denn nun das Neue sei, denn schließlich wissen wir seit Jakob Burckhardt, daß seit der Renaissance ein dauernder Individualisierungs-Sog die westlichen Gesellschaften erfaßt hat. Die früh-neuzeitlichen politischen Theorien eines Macchiavelli, Locke oder Hobbes unterstellten den Primat des Individuums. Selbstinteresse (Self-Interest) war die Hauptantriebskraft des Individuums in der Theorie von David Hume und Adam Smith. Erst im 19. Jahrhundert zogen Begriffe wie Solidarität oder gar Altruismus in die soziale Sprache ein, waren aber nie unumstritten. Was also ist neu?
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