ARCH+ 176/177


Erschienen in ARCH+ 176/177,
Seite(n) 32-37

ARCH+ 176/177

Das zeitweilig Zeitgenössische

Von Lavin, Sylvia

In einem bestimmten Moment der fünfziger Jahre wurde die moderne Architektur zeitgenössisch. Diese Akzentverschiebung begann zwar bereits in den vierziger Jahren und läßt sich seither anhand unzähliger Erscheinungsformen verfolgen, doch um 1954 war sie vollzogen. In diesem Jahr veröffentlichte Sigfried Giedion das Buch A Decade of Contemporary Architecture, in dem er die “Konsolidierung der ganzen Bewegung” beschrieb. In deutlichem Ringen mit der Nomenklatur eines Phänomens, das nach Giedions Darstellung 1947 einsetzte, schwankt die Publikation bei der Titelgebung zwischen “neu”, “jung”, “modern” und so weiter, um sich schließlich mit Unbehagen und unter Vorbehalten 1954 auf zeitgenössisch einzurichten.1 Im selben Jahr stellten die Herausgeber von Architectural Record die Anthologie A Treasury of Contemporary Houses2 zusammen. Alle darin gezeigten Häuser wurden zwar als modern beschrieben, doch machten die Herausgeber auch geltend, daß diese Häuser sich doktrinären Definitionen der Moderne widersetzten und diese überschritten: “Warum sollte ein modernes Haus ein Flachdach haben müssen? Oder eine Glaswand? Oder eine offene Küche? Warum sollte es seine Konstruktion zeigen müssen? Warum sollte es nicht alles mögliche haben, was seine Eigentümer tatsächlich gerne hätten, einschließlich eines Rundbogens oder zwei – ja auch eines viktorianischen Rundbogens?&rdquo
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