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Erschienen in ARCH+ 176/177,
Seite(n) 100-105

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Die neuen Baugruppen

Von Uhlig, Günther

Privater Wohnungsbau als sozialer Stadtbau

 

"Der alternative Elan, der die selbstnutzenden Bauherren- und die “Anders-Wohnen”-Gruppen in den 80ern entstehen ließ, scheint ungebrochen weitergelebt zu haben.1 Über tausend alternative Lebens-, Arbeits- und Wohnprojekte stellten sich im Herbst 2004 auf dem Berliner Ufa-Gelände vor. Einige wenige der Resultate werden jetzt auch in den Tageszeitungen beschrieben, fachpublizistisch geadelt und sogar politisch wahrgenommen.2 In der letzten Dekade drängte jedoch nicht nur eine bunte Menge solcher Wohnungsbau-Initiativen ins Bewußtsein der Fachöffentlichkeit, es war auch eine erstaunliche Wiederbelebung einer kritischen Planungstheorie zu konstatieren. Diese war in der Postmoderne mit dem sich ankündigenden Neoliberalismus von der Bildfläche verschwunden, offenbar von niemandem vermißt. Jetzt häufen sich die Publikationen und Fachsymposien zu beiden Themen, zur Praxis eines neuen Wohnungsbaus und zu den sozialen Problemballungen und den Perspektiven einer postfordistischen Planungstheorie. Bei den praktischen Projekten ist die Entwicklung mittlerweile soweit, daß auf das Beiwort “Projekt” selbstsicher verzichtet wird. Es bedarf offenbar keiner rechtfertigenden Rückversicherung unter das schützende, gleichwohl diskriminierende Schild Experiment. Und der Begriff Modell wird allenfalls hintersinnig benutzt, um Fördertöpfe anzuzapfen. Baugruppen heißen schlicht die aktuellen Phänomene, die in Tübingen und in Freiburg die Blicke auf sich ziehen. Das läßt aufhorchen: Das System schluckt und integriert seine sozialkulturellen Gegenbewegungen? So fragt sofort der ideologiekritische Entlarvungsgestus: Was passiert jedoch wirklich derzeit? Und was ist vom Revival einer kritischen Planungstheorie zu halten?"

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