ARCH+ 178


Erschienen in ARCH+ 178,
Seite(n) 88-93

ARCH+ 178

Ästhetik als Form der Politik

Von Toorn, Roemer van

Ein bedeutender Teil der westlichen kritischen Tradition, wie das Denken Foucaults oder die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, lenkt die Forschung fort von der Erfahrung und hin zur Seite der Dekonstruktion oder “Criticality”. Das Problem selbst bei den richtigen Ideen des Kritischen ist, dass sie mit herrschenden Meinungen oder etablierten Schlagworten übereinstimmen; dass es sich immer um Ideen handelt, die etwas verifizieren, selbst wenn es etwas ist, das noch in der Zukunft liegt. Der kritische Theoretiker sei in der Falle einer “Der Gewinner verliert”-Logik gefangen, vermerkt Fredric Jameson, denn in dem Maß, in dem sein Gedankengebäude, d.h. sein kritisches Modell der Gesellschaft an Bedeutung und damit an Realität gewinne, verliere er die Fähigkeit, Alternativen zu entwickeln. Raymond Williams jedoch meint: “... wie dominant ein soziales System auch immer sein mag, die bloße Tatsache seiner Dominanz bedeutet eine Begrenzung oder Auswahl der Handlungsmöglichkeiten, die es abdeckt, so dass es per definitionem nicht alle sozialen Erfahrungen absorbieren kann, die daher stets einen potenziellen Raum für alternative Intentionen enthalten, welche noch nicht als soziale Institution oder gar als soziales Projekt artikuliert sind.” Was hier in diesem Ansatz von Williams (und zum Beispiel auch bei Gramsci) vorsichtig anklingt, ist die Unmittelbarkeit, das Ungeahnte, der unbehauene Klumpen der direkten Erfahrung – Erfahrungen, die nicht als Totalität reflektiert werden können...

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