ARCH+ 179

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Erschienen in ARCH+ 179,
Seite(n) 12-19

ARCH+ 179

Was ist Architektur?

Von Ungers, Oswald Mathias

Antrittsvorlesung, Sommersemester 1964

“In den meisten ästhetischen Schriften wird die Architektur als eine “gebundene Kunst” im Gegensatz zu den freien Künsten der Musik, Dichtung, Malerei und Plastik bezeichnet. Was aber wäre, wenn es sich bei dieser Idee nur um ein Klischee handelt, das auf einer falschen Interpretation beruht, welche sich hartnäckig durch die gesamte Kunstliteratur hindurch fortschreibt? Ich möchte jedenfalls dieses Missverständnis beseitigen, das darin besteht, von der Architektur als einer gebundenen Kunst statt von einer bindenden Kunst zu sprechen. Denn wenn man das passive Partizip Perfekt “gebunden”, mit dem wesentlich ein Zwang ausgedrückt wird, durch das aktivere Partizip Präsens “bindend” ersetzt, so ändert sich der Sinn entscheidend. Architektur als bindende Kunst ist somit die aktive Kunst, Bindungen zu schaffen. Mit dieser Umdeutung gelingt es der Architektur schließlich, ihre Abhängigkeit als Pseudo-Kunst oder Pseudo-Technik hinter sich zu lassen und eine Bedeutung anzunehmen, die wesentlich nur ihr zueigen ist. So verstanden ist sie auch in der Lage, die umfassende Bedeutung von archi und technos im Sinne von „Erzkunst“ oder „Erztechnik“ auszufüllen, d.h. den Künsten und der Technik übergeordnet zu sein...”

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