ARCH+ 179


Erschienen in ARCH+ 179,
Seite(n) 56-69

ARCH+ 179

Mehrräumige Gebilde in gleichwertiger Anordnung

Von Ungers, Oswald Mathias

Vorlesung 4, Sommersemester 1964

„Man wird dann feststellen, daß die Spannweite der architektonischen Möglichkeiten viel größer war, als gemeinhin angenommen und sich die Bauten nicht, wie heute so oft der Fall, in einem einzigen Ausdrucksmittel erschöpften. Jedenfalls baute man im vorigen Jahrhundert die Bahnhöfe im gotischen Stil, die Kirchen romanisch und die Banken im Stil der Renaissance oder man verwand an einem einzigen Bau mehrere Stilelemente gleichzeitig. Dagegen ist heute in vielen Fällen ein Bahnhof, eine Kirche und ein Bankhaus kaum noch voneinander zu unterscheiden, alles wird von einem einzigen Ausdruckswillen beherrscht und im Sinne der Funktionsgerechtigkeit gestaltet. Doch scheint es, als habe die moderne Architektur mit ihrer Auflehnung gegen den Stilpluralismus der vorhergehenden Epoche lediglich den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben und die bereits im 19. Jahrhundert errungene Freiheit vom Stil wieder aufgegeben und selbst in die enge Jacke eines einheitlichen Stildenkens hineingezwängt...“

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