ARCH+ 179


Erschienen in ARCH+ 179,
Seite(n) 42-55

ARCH+ 179

Einräumige Gebilde mit einem bestimmten Umraum

Von Ungers, Oswald Mathias

Vorlesung 2, Sommersemester 1964

Für die Aufstellung der Bilder in der Galerie des 20. Jahrhunderts hat Mies van der Rohe vorgeschlagen, die Bildwände selbst als Raumtrennung zu benutzen und von jeder räumlichen Begrenzung unabhängig anzuordnen. Daraus folgt die weitreichende Konsequenz, dass der Besucher in gewissem Sinne selbst zum geschehen der Bilderwelt wird. Ein Gegenüber von Ausstellungsobjekt und subjektivem Betrachter existiert dann nicht mehr. Beide sind am Geschehen gleichzeitig als Subjekt und Objekt beteiligt und die Grenzen zwischen ihnen verwischen. Obwohl die artifizielle Welt einerseits als etwas Selbständiges und in sich Geschlossenes dargestellt wird, verliert sie in dieser Anordnung ihre eigenständige Existenz. Dann könnte sie aber auch als ungestaltete Fläche erscheinen, vor der nur noch das Geschehen, das heißt die Handlung des Betrachters selbst, übrig bleibt. Das nicht mehr künstlerisch gestaltete Objekt als Ausstellungsobjekt wäre die klare Konsequenz dieser Art von Ausstellung wie sie Mies van der Rohe vorschlägt...

 

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