ARCH+ 168

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Erschienen in ARCH+ 168,
Seite(n) 60-61

ARCH+ 168

Ningbo Geschäftszentrum

Von MADA s.p.a.m. /  Ma, Qingyun

Projektteam: MADA s.p.a.m., Schanghai Ma Qingyun Ningbo Municipal Design Institute Ort: Ningbo, China Gesamtgeschoßfläche: 212.040,6 qm Fertigstellung: Oktober 2002

Mit dem Bau des Tian-Yi Plaza genannten Geschäftszentrums (Central Commercial District) war die Hoffnung auf eine rasche Konsolidierung der undefinierten urbanen Identität der Stadt Ningbo verbunden. Für MADA s.p.a.m. handelte es sich hierbei um ein extrem hypothetisches Projekt. Folgende Fragen stellten sich: Braucht eine Stadt heute überhaupt noch ein Zentrum? Welche Rolle spielt die Architektur in Bezug auf Urbanität? Kann eine Megastruktur dahingehend verändert werden, daß sie auch bescheidenere Zwecke erfüllen kann? Wie kann die traditionelle Architekturpraxis der Mobilität des zeitgenössischen Urbanismus Rechnung tragen? Nach etlichen Wettbewerbsrunden und Modifikationen hat MADA s.p.a.m. einen ziemlich langweiligen, aber äußerst rigiden Flächennutzungsplan übernommen, der eine kreisförmige offene Plaza am Schnittpunkt von acht Achsen vorsah.

Wir reagierten mit einer formalen und räumlichen Strategie, die diese Zentralität nachhaltig untergräbt und aufbricht. Dabei konzentrierten wir uns auf all jene “schwachen” Bedingungen, die Abweichungen von den formalen Vorgaben ermöglichen. Diese Bedingungen beziehen sich entweder auf spezifische programmatische Festlegungen, Erschließungsmuster oder landschaftsgestalterische Themen. Die subtilen, jedoch alles durchdringenden Eingriffe konterkarieren die Zentralität auf eine behutsame, gleichwohl signifikante Weise.

Eine physisch erzeugte Identität ist jedoch nie stabil, bis sie nicht auch programmatisch mit Leben erfüllt wird. Wir orientierten uns an einer Mindesttiefe der nutzbaren Geschoßfläche und machten uns nicht das typisch amerikanische Modell eines maximalen Geschoßgrundrisses zu eigen. Dadurch können kleinere Unternehmen und Einzelhändler als Pächter gewonnen werden, was eine große Vielfalt von “altmodischen” Dienstleistungen und Handelsaktivitäten gewährleistet, die in den meisten chinesischen Städten heute zunehmend an den Rand gedrängt werden. Die bunte Palette des Geschäftslebens befördert Verschiedenheit, ein maßgeblicher Aspekt der Dichte. Verschiedenheit erzeugt eine Dichte, die qualitativ und sinnlich erfahrbar ist. Alle Arten von lokalen Geschäften und Marken werden dazu ermutigt, sich in unmittelbarer Nachbarschaft von global operierenden Firmen und Marken niederzulassen: Von der bewußten Mischung profitieren Kunden und Ladenbesitzer gleichermaßen.  

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