ARCH+ 181/182


Erschienen in ARCH+ 181/182,
Seite(n) 110-111

ARCH+ 181/182

Verabschiedung der Diplomanden 1967

Von Ungers, Oswald Mathias

Wahrscheinlich war für Sie der Architekt ein Mann, der Häuser entwirft, baut und seine Werke in einschlägigen Architekturzeitschriften veröffentlicht. Vielleicht auch dachten Sie daran, daß das Image des Architekten in den letzten Jahren enorm an gesellschaftlicher Wertschätzung gewonnen hat und daß seine Tätigkeit durch Berühmtheit belohnt wird. Neben dem Maler und Dichter scheint der Architektenberuf eine der letzten Positionen zu sein, die a priori auf Persönlichkeit gegründet ist. Er hat noch etwas von dem alten Flair, das in der Einheit von Mann und Werk besteht und ist der letzte Zeuge eines individualistischen Zeitalters. Diese Rolle wird von Architekten kultiviert und zur Schau getragen: in der Krawatte, der Pfeife, dem Schal, dem flotten Auto, aber auch im selbstverständlichen Anspruch auf die Position des Teamleiters und Koordinators. Ich frage mich, worauf ist ein solcher Anspruch gegründet? Die Berufung auf die Tradition reicht nicht aus. Wenn es nicht mehr ist, dann ist dieser Anspruch mit Recht anzuzweifeln...

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!