ARCH+ 181/182


Erschienen in ARCH+ 181/182,
Seite(n) 122-123

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Architekturtheorie - VzA 14

Von Ungers, Oswald Mathias /  Pampe, Jörg

Meine sehr geehrten Damen und Herren, im Namen der Fakultät möchte ich Sie zum Beginn des Symposions über Architekturtheorie und Architekturkritik herzlich begrüßen. Wir freuen uns, daß unser Entschluß so große Zustimmung bei den Beteiligten gefunden hat und – wie ich feststellen kann – auch allgemein mit großem Interesse aufgenommen wird. Als wir uns vor etwa einem halben Jahr entschlossen, dieses Symposion zu veranstalten, gingen wir von der Überlegung aus, daß es nach einer Periode umfangreicher Bautätigkeit und gleichzeitig am Beginn einer Entwicklung noch größeren Umfanges notwendig sei, den Versuch zu unternehmen, nach theoretischen Grundlagen zu forschen. Wir waren uns nicht darüber im Klaren, von welchen Erscheinungen eine theoretische Grundlage ausgehen sollte und welche Erkenntnisse hieraus abzuleiten seien. Es besteht die Frage, ob primäre gesellschaftliche Erscheinungen, technische Gegebenheiten, historische Erfahrungen oder immanente formgesetzliche Gesichtpunkte als Bezugsebenen zu erfassen seien. In der Gesellschaft stehen wir neuartigen Erscheinungen gegenüber und ich brauche gerade Sie hier in Berlin nicht besonders darauf hinzuweisen. Das Auftreten von Kommunen, Interessengruppen, Oppositionen, ist keine zufällige temporäre Erscheinung, sondern ein durchaus ernst zu nehmendes Phänomen. Auf technischem Gebiet entwickeln sich völlig neue Methoden und Verfahrensweisen. Die Computer-Technik wird nicht ohne Einfluß auf die Architektur bleiben, und die Massenproduktion hat ästhetische und theoretische Konsequenzen. Denken Sie nur an die Prognosen über die Bevölkerungsentwicklung und die zwangsläufig damit verbundene Automatisierung. Es ist zu fragen ob sich die historische Erfahrung, die wir als Erbe übernommen haben, noch verwerten läßt oder ob sie nur eine hypothekarische Last auf unserem Denkgebäude ist, die unnötige Zinsen kostet und sobald als möglich getilgt werden sollte...

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