ARCH+ 156


Erschienen in ARCH+ 156,
Seite(n) 30-36

ARCH+ 156

Pragmatismus und Architektur: Eine Einführung

Von Rajchman, John

Ich möchte den Pragmatismus als eine Denkweise skizzieren, die sich mit Dingen befaßt. Das ist eine Bedeutung von "pragmata", dem griechischen Wort, von dem der Begriff Pragmatismus abgeleitet ist: Dinge, Angelegenheiten. "Zurück zu den Dingen" — das war, wie man weiß, der Schlachtruf von Edmund Husserl und der Phänomenologie, und manche von uns meinen inzwischen, es sei an der Zeit, nach einer ausgedehnten Exkursion in die Mysterien der Transzendenz und der theoretischen Traktate wieder zu den Dingen zurückzukehren. Ich möchte hier jedoch auf etwas anderes hinaus. Peirce wußte bereits, daß Wörter Dinge sind; und sein französischer Zeitgenosse, der Dichter Stéphane Mallarmé, demonstrierte dies, indem er graphische Elemente zu einem integralen Bestandteil seiner Gedichte machte, wodurch er ein Jahrhundert des Experimentierens einläutete: Sprache und Bild wurden auseinandergesprengt, aufgebrochen, und jede herkömmliche Verbindung zwischen beiden wurde zerstört. Neben Dichtern und Künstlern benutzen auch Philosophen Wörter, um Klischees zu entlarven und um neue Dinge ausdrücken und wahrnehmen zu können; und Architekten, finde ich, tun dies ebenfalls — in ihrer Domäne und mit ihren Mitteln. Sie benutzen Wörter genauso wie Zeichnungen, Bilder oder Diagramme, um das auszudrücken und wahrzunehmen, was an ihren Vorhaben neu oder einzigartig ist. Tatsächlich können wir die neuen graphischen Entwurfsmethoden in der zeitgenössischen Architektur als eine Erweiterung der Mallarméschen Prinzipien betrachten: von deren typologischer Isolation mit ihrer unterschwelligen Theologie der leeren Seite zu einem graphischen Raum von "im Entstehen begriffenen Dingen" [things in the making]; in zumindest einigen Fällen, bei denen es nicht um bloße Eigenwerbung ging, haben Architekten diesen graphischen Entwurfsraum nutzen können, um mit Hilfe von Dingen, das heißt, mittels Bildern und Wörtern, bestimmte Aspekte ihres Tuns zu erfassen, die sie sonst nicht adäquat ausdrücken könnten. ...
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