ARCH+ 156


Erschienen in ARCH+ 156,
Seite(n) 66-79

ARCH+ 156

Aufbau/Bauhaus

Von Galison, Peter

Logischer Positivismus und architektonische Moderne
Am 15. Oktober 1929 kam Rudolf Carnap, ein führendes Mitglied des kurz zuvor gegründeten Wiener Kreises, nach Dessau, um dort vorzutragen. Carnap hatte gerade sein Opus magnum Der logische Aufbau der Welt vollendet, ein Buch, das sofort zur Bibel der von den logischen Positivisten verkündeten neuen Antiphilosophie wurde. Ausgehend von einer kleinen Gruppe in Wien verbreitete sich diese Bewegung, einschließlich einer internationalen Gefolgschaft, bald und übte in den sechzig Jahren danach einen starken Einfluß auf den Verlauf der Wissenschaftsphilosophie aus, wie auch auf weite Bereiche der Philosophie, der Ökonomie, der Psychologie sowie der Physik. Der Ort des Carnapschen Vortrags an diesem Tag, das Dessauer Bauhaus, ein eindrucksvolles, von Walter Gropius entworfenes Gebäude, war drei Jahre zuvor eingeweiht worden. Unter dem Schutz seines flachen Daches und seiner Glaswände hatten Künstler, Architekten, Weber und Möbeldesigner aus dieser Schule eine Zitadelle der Hochmoderne gemacht. Carnap traf hier auf eine begeisterte Zuhörerschaft für "Wissenschaft und Leben". "Ich arbeite in Wissenschaft," begann er, "Sie in sichtbarer Formgestaltung; beides nur Seiten des einen Lebens." Ich möchte in diesem Aufsatz dieses "eine Leben" untersuchen, von dem die neue Philosophie und die neue Kunst so unterschiedliche Facetten gewesen sind: ich hoffe, die geteilten Impulse der Moderne zu erhellen, die beide Disziplinen in den Zwischenkriegsjahren antrieb. ...
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