ARCH+ 171


Erschienen in ARCH+ 171,
Seite(n) 60-71

ARCH+ 171

Absolute Architekturbeginner. Pyramidenbau, Potlatsch und Paranoia-Pop

Von Trüby, Stephan

Pyramidenbau, Potlatsch und Paranoia-Pop

 

Ende Es ist ein Abgang nach Plan. Bill Drummond und Jimmy Cauty a.k.a The Timelords a.k.a The Justified Ancients of MuMu (The JAMs) a.k.a. The KLF haben genug vom Popbusiness. Dieser Abend des 12. Februar 1992, an dem ihnen im Rahmen einer großen Fernsehshow ein Brit Award verliehen werden sollte, dieses glamouröse Erntedankfest und promipralle Mainstream- Fernsehereignis der britischen Musikwelt werden sie auf die ihnen eigene Art nutzen, um Goodbye zu sagen. Drummond und Cauty betreten gemeinsam mit der Nomen-est-Omen- Band „Extreme Noise Terror“ die Bühne des Londoner Hammersmith Odeon und fangen zur Überraschung der anwesenden Industrie an, eine Thrashmetal-Version ihres Nummer-Eins-Hits „3 a.m. Eternal“ zu spielen. Wüst. Mikrofonbrüllereien, Gitarren-Rockismus, Publikum in Schlagzeuggewittern. Mitten im Stück geht Drummond hinter die Bühne und kommt mit Zigarre im Mund und Maschinenpistole in der Hand zurück. Und feuert ins Auditorium. Nicht nur Sir George Solti, einer der Ehrengäste, versucht sich zum Ausgang zu retten. Dann zerstören die Musiker ihre Instrumente, flüchten von der Bühne, rennen durch den Hinterausgang zu ihrem bereit gestellten Van und brausen davon. Eine Stimme verkündet den Verstörten im Saal: „The KLF have now left the music business“. Nur allmählich wird klar, dass lediglich mit Platzpatronen geschossen wurde.

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