ARCH+ 183

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Erschienen in ARCH+ 183,
Seite(n) 28-29

ARCH+ 183

Dérive

Von Elsken, Ed van der /  Steiner, Juri

„Die Lettristen ... überschritten die Schranken des guten Geschmacks und steckten ihre ganze Identität in Alkohol und Attitüde. „Ihre Uniform, das war die abgetragene, heruntergekommene Kleidung, in der sie sich zeigen mussten, und schlechtes, unpassendes Benehmen der dazu gehörende Kampfstil. Einige schrieben Parolen auf ihre Hosen oder färbten sich die Haare. Trinken war ihre Methode; betrunken oder berauscht die Straßen herunterziehen und den irritierten Passanten in die Quere kommen, ein nicht weniger methodisch betriebenes Verhalten – dérive hieß es später.“ (Juri Steiner/Roberto Ohrt)

„Unter den verschiedenen situationistischen Verfahren ist das Umherschweifen eine Technik des eiligen Durchquerens abwechslungsreicher Umgebungen. Das Konzept des Umherschweifens ist untrennbar verbunden mit der Erkundung von Wirkungen psychogeographischer Natur und der Behauptung eines konstruktiven Spielverhaltens.“ Das Umherschweifen ist eine Bewegungsart, die sich durch ihre Ziel- und Planlosigkeit, durch ihre Verachtung ausgetretener Pfade, ihren Verzicht auf alle bisherigen Bewegungs- und Handlungsmotive den funktionalisierten ZwangStrukturen der Stadt entzieht, ja diese zweckentfremdet. Mit der Methode des Umherschweifens soll die Stadt als Erfahrungs- und Erlebnisraum ausgelotet und auf ihre Möglichkeiten zur Konstruktion von Situationen befragt werden. Sie dient zur Beschaffung von Material, das die Situationisten für ihre Kritik des bestehenden Urbanismus einsetzen. Die beim Umherschweifen gewonnenen Erkenntnisse schlagen sich nieder in psychogeographischen Landkarten. Durch das Umherschweifen wollen die Lettristen/Situationisten die Wahrheit des unmittelbaren Lebens ans Tageslicht „bringen“. Juri Steiner

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