ARCH+ 183

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Erschienen in ARCH+ 183,
Seite(n) 32-39

ARCH+ 183

Walkscapes

Von Careri, Francesco

Gehen als ästhetische Praxis

 

Am 14. April 1921 traf sich die Dada-Bewegung um drei Uhr nachmittags im strömenden Regen vor der Pariser Kirche Saint-Julien-le-Pauvre, wo man sich zu einer Aktion verabredet hatte, die den Auftakt zu einer Reihe von Exkursionen zu den banalen Orten der Stadt bilden sollte. Es war ein geplanter ästhetischer Eingriff, der fotografisch dokumentiert und von Pressemitteilungen, Proklamationen und Flugblättern flankiert wurde. Dieser Ausflug eröffnete die Grande Saison Dada, eine Zeit voller öffentlicher Aktionen, die der damals in einer Flaute steckenden und innerlich zerstrittenen Gruppe neuen Auftrieb geben sollten. André Breton betrachtete das Ganze als einen ziemlichen Reinfall: „Von den Vorführungssälen an die frische Luft zu wechseln, wird nicht ausreichen, um der ewigen Wiederholung der selben Dada-Kaspereien ein Ende zu setzen.“ Doch trotz der Kritik Bretons war dieser erste Ausflug die wichtigste städtische Intervention des Dadaismus. Die Luftveränderung gab tatsächlich den Anstoß für eine lange Reihe von Exkursionen, „Deambulationen“ und „Dérives“, die das gesamte 20. Jahrhundert als Antikunst durchzogen haben.

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