ARCH+ 183

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Erschienen in ARCH+ 183,
Seite(n) 42-44

ARCH+ 183

Stadt-Natur vs. Stadt-Landschaft

Von Brock, Bazon

„Wenn nicht objektive Bedingungen des Überlebens in der Natur, sondern die des subjektiven Erlebens der Natur unsere Haltungen ihr gegenüber beherrschen, formen wir sie zur Landschaft um.“ Dieser zivilisatorische Akt der Verwandlung von Natur in gestaltete Landschaft lässt sich adäquat auf die subjektive Verwandlung unserer heutigen „urbanen Natur“ in „Stadtlandschaften“ übertragen. Im folgenden Beitrag beschreibt Bazon Brock anhand der berühmten Besteigung des Mont Ventoux, die der Dichter Petrarca im 14. Jahrhundert als Wanderer unternahm, die Erfindung des modernen Landschaftsverständnisses und mit ihm die Emanzipierung des modernen Subjekts, das in die Lage versetzt wird, seine „Lebenswelt durch eigenständige Wahrnehmungsformen und nach Maßgabe selbst gemachter Erfahrungen zu gestalten“. So wie Petrarca die „Natur als Projektionsfläche psychischer Prozesse des Einzelnen“ deutete und mit einem für seine Zeitgenossen „nutzlosen Gang“ die Natur subjektiv zur Landschaft umformte, so verwandelten die Situationisten mit ihrem Konzept der Psychogeographie, der psychischen Erkundung der Stadt, und der Praxis des Dérives, dem „nutzlosen“ Herumstreifen, das Verständnis von Stadt grundlegend: Sie ersetzten ein naturwüchsiges durch ein landschaftliches Stadtkonzept.

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