ARCH+ 183

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Erschienen in ARCH+ 183,
Seite(n) 84-91

ARCH+ 183

Open-Source Urbanismus

Von studio urban catalyst

Vom Inselurbanismus zur Urbanität der Zwischenräume

Ehemalige Industrieareale, aufgegebene Bahnflächen und Flughäfen, Baulücken, ungenutzte Gewerbegebiete, leer stehende Wohnquartiere und öffentliche Einrichtungen. Über Jahre und Jahrzehnte stehen in Städten Gebäude leer, fallen große Flächen brach. Sie bilden scheinbar funktionslose Zonen aus, die sich in einem Übergangsstadium zwischen aufgegebener Nutzung und neuer Planung befinden. Klassische Stadtplanung und marktwirtschaftliche Verwertung versagen an diesen Orten. Planungsämter und Eigentümer hoffen verzweifelt auf Investoren, dabei besitzen diese Areale oft ein wichtiges urbanes Potenzial: Ungeplant entfalten sich in diesen marginalisierten Zonen neue Aktivitäten. Abseits herkömmlicher gesellschaftlicher Regeln entwickelt sich hier eine enorme Vielfalt an temporären Nutzungen: von Gemüseanbau, Tierhaltung, Freizeit und Sport über soziale Initiativen und Dienstleistungen, Alternativ-, Jugend- und Popkultur, Kunst- und Musikszene, Nightlife bis hin zu Migrantenökonomien, Handel und Gewerbe, Erfindern und Start-up-Unternehmern.Obgleich sie fast ohne Geldmittel auskommen, sind sie zentrale Standorte für die Kulturproduktion der jeweiligen Stadt.Ob Kunst- oder Clubszene in Berlin, die ‚Kabelfactory‘ oder das ‚Magazinii‘ in Helsinki, der ‚Kulturpark Ost in München‘, das ‚KDAG-Gelände‘ oder das ‚Flex‘ in Wien – spätestens der Blick in einen Reiseführer offenbart, dass diese Orte für die Urbanität einer Stadt oft eine ähnlich wichtige Rolle spielen wie klassische Kulturinstitutionen. In ihrem EU-Forschungsprojekt „Temporäre Nutzungen“, deren Ergebnisse demnächst in einer Publikation vorgestellt werden, hat Urban Catalyst das Potenzial solcher Aktivitäten und deren Beitrag zur Urbanität eines Standortes untersucht und damit die zeitliche Dimension von Planung wieder in die Debatte eingeführt.

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