Neue Adresse & Telefonnummern: Friedrichstraße 23a, 10969 Berlin // Redaktion: +49 30 340 467 17 / Verwaltung & Vertrieb: +49 30 340 467 19 // Bestellungen werden mit leichter Verzögerung bearbeitet.

ARCH+ 185


Erschienen in ARCH+ 185,
Seite(n) 14-15

ARCH+ 185

Die Chance einer asiatischen Renaissance

Von Sloterdijk, Peter

Es ist unter Kennern ein offenes Geheimnis, daß seit mehr als hundert Jahren ein großer Teil der westlichen Intelligenz, wie man so sagt, „asiatisiert“. Man könnte darin ein ironisches Spiel des Erkenntnisobjekts mit seinem Subjekt sehen. In der Welt der Intelligenzen bleibt es nicht aus, daß der Entdecker sich einer Gegenentdeckung durch die Entdeckten exponiert. Für die bürgerliche Welt zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert hatte das Interesse am Osten im Zeichen des Kolonialismus begonnen, der bald einen geistigen Welthandel nach sich zog. Es war die frühromantische Generation, durch die die Asienimporte erstmals auf ein theoretisches Niveau gehoben und in eine großzügige Synopse der Weltkulturen einbezogen wurden. Weltgespräch über Weltliteratur hieß das heitere Leitbild eines romantischen Ökumenismus, in dem man persische Lyrik und Upanishadenübersetzungen herumreichte als Beweisstücke für die eigentlich metaphysische Tätigkeit der Weltseele. Aber es blieb nicht bei einem philologischen Flirt. Für den wirklichen Osten erwies sich sein Entdecktwordensein durch einen anderen Geist als Begegnung mit seinem Schicksal. Was als Entdeckung, dann als Eroberung, Mission und Unterrichtung des Ostens durch den bereits hochmobilisierten Westen einsetzte, riß alsbald den alten Osten in die Mobilmachung des Planeten mit hinein. ...

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!