ARCH+ 185


Erschienen in ARCH+ 185,
Seite(n) 66-69

ARCH+ 185

Indien scheint

Von Brosius, Christiane

Enklaven des Wohlstands

Die soziale, wirtschaftliche und geographische Trennlinie in Indien ist kein neues Phänomen. Aber der Wandel im „globalisierten“ Indien hat dieser Trennlinie eine neue Dimension gegeben. Nun gibt es etwas, was sich „enklavisches Indien“ nennt, präsent in der Arbeit, zu Hause, in Schule und Freizeit. Es ist abgetrennt vom größeren Indien, metaphorisch und bisweilen sogar wortwörtlich. Die Bürger des enklavischen Indien, positioniert in den oberen sozialen Schichten, arbeiten in Bürolandschaften, die es mit den besten der Welt aufnehmen können, leben oft in „gated communities“, ihre Kinder gehen auf „internationale“ Schulen und sie vertreiben sich die Zeit durch Besuche von Einkaufsmalls, Multiplexen und Freizeitparks oder einem Auslandsurlaub.

Rammanohar Reddy, Autor des Eingangszitates, bringt auf den Punkt, was mit dem Slogan „India Shining“, Indien scheint, unter dem Wirtschaftswachstum seit 2004 verbunden wird. Vor drei Jahren hatte sich die damalige Regierungskoalition diesen Spruch auf die Fahnen der Wahlkampagnen geschrieben. Und bitterlich verloren; sie wurde abgewählt. Aber der Slogan entwickelte eine Art Eigenleben und wird heute mit dem märchenhaft scheinenden Aufstieg Indiens und der Überwindung des Stigmas als unterentwickeltes, lethargisches und verslumtes Land assoziiert. Mit dem Wirtschaftswachstum begannen neue Leitbilder für urbane Lebensräume und Lebensstile virulent zu werden, die dem entsprechen, was Reddy als „enklavisch“ bezeichnet hat. Die Idee der „Weltklasse“-Stadt scheint die Träume von einem „Weltklasse“-Lebensstil jener Menschen real werden zu lassen. ...

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