ARCH+ 186/187


Erschienen in ARCH+ 186/187,
Seite(n) 134-137

ARCH+ 186/187

Ausblick: Displayverhalten

Von Trüby, Stephan

Zur Evolution des Papierarchitekten
Es gehört zu den schwierigeren Jobs auf dieser Welt, eine Architekturzeitschrift zu machen. Und von der Kunst, damit auch noch Geld zu verdienen, sei jetzt mal nicht die Rede. Die Schwierigkeit ist grundsätzlicher Natur: Architektur ist nicht gerade ein Garant für Breaking News. Zumindest solange sie stehen bleibt. Ihr Nachrichtenwert strebt gegen Null. Mies van der Rohe hatte Recht: Nicht jeden Montagmorgen kann man eine neue Architektur erfinden. Doch Architekturmedien sind dazu verdammt, genau darüber jeden Montagmorgen zu berichten. Montage sind Spiegel- und Focus-Tage; Architekturtage sind sie nicht. Die Folgen sind allzu bekannt: Den großen Architekturzeitschriften eilt der Ruf voraus, ordentlich gestaltete Sedativa zu sein. Adressiert an allzeit Gestresste, unterliegen sie dem strengen Verbot einer Ästhetik des Plötzlichen. Beispiel? Ein Auszug aus der letztjährigen Themenliste eines großen deutschen Architekturmagazins, das nur deshalb ungenannt sei, weil es durchaus repräsentativ ist: Januar – Denkmalpflege; Februar – Kirchenbauten; März – Restaurants; April – Farben; Mai – Wohnungsgrundrisse. Und so weiter und so fort. Und dann wieder von vorn. Würde man derlei Publizistik wirklich vermissen, wenn es sie einmal nicht mehr geben sollte? ...
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