ARCH+ 186/187


Erschienen in ARCH+ 186/187,
Seite(n) 158-159

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Interview-Marathon: Günter Zamp Kelp

Von Zamp Kelp, Günter /  Koolhaas, Rem /  Obrist, Hans Ulrich

Günter Zamp Kelp im Gespräch mit Rem Koolhaas und Hans Ulrich Obrist
Hans Ulrich Obrist: Können Sie uns erzählen, wie Haus-Rucker-Co entstand? Wo liegen die Anfänge?Günter Zamp Kelp: Die Anfänge liegen relativ weit zurück. Laurids Ortner und ich besuchten gemeinsam das Gymnasium, wir spielten Tennis und haben schließlich zusammen studiert. Nach dem Studium stand für uns fest, dass wir auf keinen Fall, wie in Österreich üblich, fünf Jahre in einem Architekturbüro praktizieren wollten, um danach selbständig zu werden. Das dauerte uns viel zu lange. Unser Weg in die Selbständigkeit lag in der künstlerisch ambitionierten Arbeitsweise. Wir bauten und finanzierten Apparate selbst oder ließen diese durch Handwerker von außerhalb fertig stellen, zum Teil legten wir selbst Hand an.Rem Koolhaas: Wie kam es zum Namen „Haus-Rucker-Co“?GZK: Es war ein Aspekt, der uns am Anfang sehr beschäftigt hat. Unter anderem hatten wir auch „Archi Zoom“ auf dem Tablett, entschieden uns dann aber für „Haus-Rucker-Co“. Zum einen spielt der Name auf das Bergmassiv „Hausruck“ in Oberösterreich an, wo wir herkamen, zum anderen beschreibt er in der Schreibweise Haus-Rucker unseren konzeptionellen Ansatz, Häuser wegzurücken, um Platz für neue Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Aber der Name hatte auch einen popkulturellen Klang und sollte ähnlich wie „Rolling Stones“ funktionieren, nur dass wir keine Steine, sondern Häuser bewegen. Wir waren damals sehr beeindruckt vom Erfolg der englischen Musikbands. Unser erster Katalog hatte das Format einer Vinylplatte. Wir waren als Außenseiter nach Wien gekommen und hatten mit der Szene nichts zu tun. Trotzdem erregten wir Aufmerksamkeit, und zwar über unsere ungewöhnlichen Objekte und Aktionen. Im Jahre 1969, nachdem wir Wien relativ kräftig aufgemischt hatten, wurde dieser offensichtlich erfolgreiche, gruppendynamische Prozess von anderen aufgenommen, unter anderem von Coop Himmelb[l]au, Zünd up, Salz der Erde und Missing Link. Man glaubte, in Wien sei das architektonische Eldorado ausgebrochen. Was natürlich überhaupt nicht der Fall war. Das hatte nur sehr viel mit Kommunikation zu tun. Man musste mit Werner Hofmann sprechen, ganz am Anfang, der uns Geld gab. Wir fuhren insgesamt nicht schlecht, arbeiteten aber auf einem relativ niedrigen finanziellen Niveau.RK: Auf der documenta 5 im Jahr 1972 zeigten Sie hier in Kassel ein Projekt, die Oase Nr. 7. Waren Sie persönlich involviert oder waren Sie zu der Zeit in der New Yorker Dependance tätig?GZK: Ja, ich habe am Projekt mitgearbeitet und war gerade aus New York zurück. Die Kugel, eine pneumatische Konstruktion, war ja der Ausgangspunkt unserer damaligen Tätigkeit
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