ARCH+ 189

Kostenloser Download


Erschienen in ARCH+ 189,
Seite(n) 76-77

ARCH+ 189

Das Neue Ornament

Von Gleiter, Jörg H.

Wann immer die Frage nach dem Ornament aufbricht, ist dies ein Zeichen eines grundlegenden Strukturwandels in der Architektur, eines Wandels, der mithin als Krise und tiefer Einschnitt in das etablierte Selbstverständnis der Disziplin erfahren wird. Mit dem Maschinenzeitalter fand eine Verschiebung von der anthropologischen zur technisch-materiellen Seite des Ornaments statt, während mit der Re-Semiotisierung der Architektur mit Beginn der 60er Jahre eine Verschiebung zur anthropologischen Seite zu beobachten war. Es wäre jedoch verfehlt zu glauben, dass mit den heutigen digitalen Verfahren das Pendel einfach wieder zur anderen Seite zurückschlüge. Denn das neue Ornament ist vom „Ende des albertianischen Paradigmas“ (Mario Carpo) bestimmt. Die Stärke der Renaissance beruhte nach Alberti auf der Trennung des intellektuellen Aktes des Designers von der unmittelbaren Ausführung durch den Handwerker. Und gerade diese Trennung, die über 500 Jahre Gültigkeit hatte, kommt heute ins Wanken. Die Bedingung für das neue Ornament liegt nämlich in der „interaktiven Verknüpfung“ zwischen den Design- und Konstruktionsverfahren. Über die algorithmische Prozessualität der digitalen Verfahren findet heute eine Verschränkung der konstruktiv-materiellen mit der anthropologischen Seite der doppelten Ontologie des Ornaments statt.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!