ARCH+ 189

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Erschienen in ARCH+ 189,
Seite(n) 100-103

ARCH+ 189

Die Materialisierung des Digitalen

Von LeCuyer, Annette

Wie in ARCH+ 168 vorgestellt, basiert der Entwurf der Gebäudehülle für das Olympische Schwimmstadion „Watercube“ in Peking auf dem Prinzip der dichten Packung einer Schaumstruktur. Wie baut man jedoch Schaum? Wie lassen sich Schaumstrukturen jenseits der metaphorischen Ebene als Bauwerk materialisieren? Folie und Stahl lautet die Lösung der hier beteiligten Architekten und Ingenieure. Die Folienkissen des Watercubes bilden ein dynamisches, selbstausgleichendes System, dessen genaue Kalibrierung nur durch parametrische Entwurfsmethoden möglich ist. Trotz des Einsatzes fortgeschrittener Techniken wich die Realität auf der Baustelle bis zu 30 cm vom perfekt justierten Computermodell ab. Denn der Aufbau vor Ort ist weiterhin vor allem eine manuelle Tätigkeit.Das Prinzip des Raumtragwerks des Watercube basiert auf einer ähnlichen Struktur wie organische Zellen und mineralische Kristalle. Die Ingenieure von Ove Arup und die Architekten von PTW ließen sich hierfür von den Forschungsarbeiten der Physiker Joseph Plateau und Lord Kelvin aus dem 19. Jahrhundert inspirieren; dieses geometrische Modell wurde hundert Jahre später von den irischen Physikern Denis Weaire und Robert Phelan mit einer Kombination aus Hexagonen und Pentagonen optimiert. Auch die Hülle des Watercube basiert auf dieser Geometrie, die nun als Raumtragwerk in 22.000 Stahlrohrträgern aufgelöst und mit zwei separaten ETFE-Kissenhüllen auf der Innen- und Außenseite des Raumgitters realisiert wurde.
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