ARCH+ 191/192

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Erschienen in ARCH+ 191/192,
Seite(n) 13

ARCH+ 191/192

Call for Papers: urban RESET

Von Eisinger, Angelus

Freilegen immanenter Potenziale städtebaulicher Setzungen

Deadline 5. Mai 2009, Symposium HafenCity Universität Hamburg: 22.–23. Oktober 2009

Städtische Entwicklung bedarf immer wieder grundlegender räumlicher Setzungen, um den jeweiligen Herausforderungen der Zeit begegnen zu können. Viele dieser städtebaulichen Markierungen entstammen aus dem Industriezeitalter und haben heute ihre ursprüngliche Funktion und Leistungsfähigkeit eingebüßt. Von fokalen Punkten im Stadtalltag sind sie oft zu Leerstellen geworden, auch wenn sich – aufgrund ihrer Dimensionen – ihre Präsenz im Stadtraum nicht übersehen lässt.

Aktuell verdichten sich Indizien für innovative Neudeutungen solcher Relikte – so im Toni-Areal in Zürich oder der Ile-de-Nantes. Sie sehen von reflexartigen Tabula-rasa-Strategien ab, interessieren sich stattdessen für die urbanen Optionen des Vorhandenen und betreiben seine nachhaltige Transformation. Dabei fällt auf, dass der architektonischen Kreativität eine Schlüsselrolle zukommt. Sie leuchtet bestehende Strukturen aus ungewohnten Perspektiven aus. Sie entwirft sie neu und passt sie so – oft im Verein mit weiteren Akteuren – aktuellen städtischen Herausforderungen an: Städtische Räume erhalten neue Konturen, Baukörper zeitgemäße Programmierungen und städtebauliche Fixierungen revidierte Logiken. Somit gelingt es über Architektur, immanente Potenziale der bestehenden Strukturen freizusetzen und ihrem Alltag neue Richtungen zu geben: Architektur lanciert ein urbanes RESET. (Vgl. ARCH+ 183 Situativer Urbanismus)

Die als urbanes RESET zu bezeichnenden Interventionen sind weder kritische Rekonstruktion noch Revitalisierung von Brachen. Ebenso wenig verharren sie im Stadium von Zwischennutzungen. Vielmehr deuten sie auf eine eigenständige Kategorie aktueller urbaner Praxis: die entwerferische und konzeptionelle Komponente bei lokalen Umdeutungs- und Reaktivierungsprozessen, die nachhaltige Effekte im größeren Maßstab auszulösen vermag. Drei interagierende Elemente spielen dabei eine Rolle: RECONSIDER meint eine neuartige, von bisherigen Funktionszusammenhängen unabhängige Reflexion des städtebaulichen Gebildes, seiner Typologien und Freiräume. RELAUNCH beinhaltet seine konzeptionelle Überformung und die städtebauliche Einschreibung der neuen Deutungsfigur. REINTEGRATE schließlich betreibt die Wiedereinbindung des Raums in den städtischen Kontext durch Verwebungen auf verschiedenen Maßstabsebenen und findige Aktivierungen.

Ziel des Symposiums ist es, ausgehend von Fallbeispielen eine interdisziplinäre Debatte über Formen und Strategien der Freisetzung immanenter Potenziale der großen städtebaulichen Setzungen zu entfachen. Der Call for Papers wendet sich an Architekten, Städtebauer und Planer, an Historiker, Sozial- und Kulturwissenschaftler sowie an Politikwissenschaftler und Ökonomen. Die Beiträge können sich entweder auf Einzelprojekte konzentrieren, mehrere Interventionen vergleichen oder Teilaspekte auf der Akteurs-, Objektund Kontextebene fokussieren. Gemeinsam ist den Beiträgen ein Interesse an städtebaulichen Entwurfsoptionen, die sich nicht an formalen Moden schulen, sondern in bestehenden städtischen Konstellationen Möglichkeitsräume für die Stadt von morgen finden.

 

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