ARCH+ 191/192


Erschienen in ARCH+ 191/192,
Seite(n) 29-33

ARCH+ 191/192

Automatischer Türschließer

Von Latour, Bruno

An der Tür der Halle aux Cuirs in der Cité des Sciences et de l’Industrie de la Villette, wo die Forschungsgruppe von Dominique Pestre Überzeugungsarbeit für die Sozialgeschichte der Wissenschaft zu leisten versucht, war an einem eisigen Februartag ein handgeschriebenes Schild [Verweis: Türschilder] mit folgender Aufschrift zu sehen: „Der Türschließer streikt. Schließen Sie um Gottes willen die Tür!“ Mauern sind eine schöne Erfindung, aber wären sie nicht von Öffnungen durchbrochen, so gäbe es keine Möglichkeit, durch sie hindurchzugelangen; wir wären von Mausoleen und Gräbern umgeben. Wenn man Öffnungen in den Mauern ausspart, fangen jedoch die Schwierigkeiten an, denn jeder beliebige oder alles beliebige kann nun hindurchkommen: Kühe, Besucher, Staub, Ratten, Lärm und, am schlimmsten von allem, Kälte. Unsere Architekten-Urahnen haben daher folgendes Hybridwesen erfunden: ein in der Mauer ausgespartes Loch, im allgemeinen „Tür“ genannt [Verweis: Thür]. Trotz ihrer Einfachheit hat mich diese Vorrichtung immer verblüfft, und ich sehe in ihr ein wirkliches Wunderwerk der Technologie. Die Intelligenz der Erfindung dreht sich nämlich um die Angeln: statt eine Hacke oder Masse einzusetzen, um ein Loch in die Wand zu brechen, braucht man eine Tür nur sanft aufzustoßen. Sobald man diese Tür durchschritten hat, braucht man sich nicht auf die Suche nach Kelle und Zement zu machen, um die Wand wieder zu schließen, die man gerade zerstört hat: man braucht die Tür nur sanft hinter sich zuzuziehen.

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