ARCH+ 191/192


Erschienen in ARCH+ 191/192,
Seite(n) 46-51

ARCH+ 191/192

Fahrstuhl

Von Bernard, Andreas

Vom Fremdkörper zum Gebäudekern

Es gehört zu den spannendsten Kapiteln in der Geschichte des Fahrstuhls, mit welchen Irritationen und Unwägbarkeiten die Etablierung einer engen, uneinsehbaren Kabine als vertikales Transportmittel verbunden war. Die Fahrstuhlkabine stellt die Schwelle zwischen privaten und öffentlichen Räumen im mehrstöckigen Haus dar. In ihr verdichtet sich mehr als an jedem anderen Ort der Großstadt das problematische Verhältnis von Intimität und Anonymität [Verweis: Fenster], das im Zeitalter der Urbanisierung immer wieder thematisiert worden ist. Der Fahrstuhl, aufgekommen im New York der 1850er Jahre [Abb. 3], etabliert sich in Europa und in den USA mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Während er in den großen Hotels der amerikanischen Ostküstenstädte schon in den 1860er Jahren zum Standard gehört [1] und 1870 im New Yorker Equitable Life-Versicherungsgebäude auch zum ersten Mal in einem mehrstöckigen Bürohaus zur Anwendung kommt, [2] ist das Transportmittel in Europa bis in die späten sechziger Jahre hinein so gut wie unbekannt und wird allenfalls als rein mechanisch betriebener Handaufzug zur Lastenbeförderung in Fabriken genutzt. Erst mit der Entwicklung eines äußerst sicheren, auf der Pariser Weltausstellung von 1867 erstmals präsentierten Hydraulikaufzugs [Abb. 4] – der Fahrstuhl ist an einem in der Erde versenkten Kolben befestigt, der mit Druckwasser gefüllt wird und die Kabine nach oben schiebt – beginnt sich die Apparatur in Frankreich und wenig später auch in Deutschland langsam zu verbreiten; in Berliner Hotels und Geschäftshäusern etwa führt die Übernahme der Hydrauliktechnik in den 1870er Jahren zum Einbau von ersten Personenfahrstühlen. ...

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