ARCH+ 191/192


Erschienen in ARCH+ 191/192,
Seite(n) 109

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Stechuhr

Von Kopf, Gudrun

Der Begriff Pünktlichkeit geht auf das Wort Punkt zurück, das sich vom lateinischen punctum, das Gestochene, der Einstich, eingestochenes Zeichen, ableitet. Die Stechuhr ist also nicht zufällig Inbegriff der Zeitdisziplin des Industriezeitalters. Positioniert am Werktor, an der Schwelle zum räumlichen und zeitlichen Regime der Fabrik, fungiert sie gleichermaßen als Medium der Zeit wie als Werkzeug zur Überwachung von Menschen – als vorgeschaltetes Auge des Fabrikherren. Kontrolluhren kommen jedoch nicht erst mit dem aufkommenden Fabrikwesen gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zum Einsatz. Die ersten derartigen Geräte werden bereits im 18. Jahrhundert entwickelt: 1797 beginnt der bayerische Kriegsminister, Sir Benjamin Thompson, Graf von Rumford, Kontrolluhren einzusetzen, um die Einhaltung der Kanzleistunden seiner Beamten zu überprüfen. Dieses System funktioniert mittels persönlicher Kennmarke, die jeder Beamte zum richtigen Zeitpunkt in ein Markenfach an einer Uhr einwerfen muss. 1855 erfindet Johannes Bürk aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald eine Nachtwächterkontrolluhr, für die er ein Reichspatent erhält. Bei dieser tragbaren Dosenuhr mit eingebauter Papierrolle muss der Nachtwächter mit seinen persönlichen Kennschlüsseln, die sich an den zu kontrollierenden Orten befinden, eine Markierung in die Papierrolle stechen. Diese Art der Datenaufzeichnung führt zu der Bildung des Begriffs Stechuhr. ...

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