ARCH+ 191/192


Erschienen in ARCH+ 191/192,
Seite(n) 110-115

ARCH+ 191/192

Strichcode

Von Rosol, Christoph

Konsumschleusen

Strichcodes bilden eine mediale Schnittstelle zwischen der binären Sprache der Computer und optischer Sensorik – eine Schnittstelle, die nicht von ungefähr die Symbiose zwischen der rechnenden Maschine und dem primären Wahrnehmungssinn des Menschen sucht. Nicht, dass ein Mensch die in Balken bzw. Arealen codierten alphanumerischen Zeichen erfassen würde (obgleich er es mit einem hochgenauen Lineal und viel Zeit könnte). Es ist vielmehr die alte Ingenieursvision einer Sichtbarmachung für Maschinen, von photoelektrischen Sinnesmedien, von denen Strichcodes künden. Die auf dem reinen Kontrast von hell und dunkel basierenden Strichcode-Muster sind je auf ihre Art so maschinennah entworfen, dass sie relativ problemlos von Computern „gelesen“ werden können – mit all den Auswirkungen auf die Architekturen menschlicher Lebenswelt, die diese Maschinenannäherung von strichcodierten Dingen an binärcodierte Datenbanken mit sich bringt.

Strichcodes sind vor allem eine Technik der Passage. An der Identifikation mittels strichförmiger Symbole hängen heutzutage unzählige Transaktionen und Koordinationen des alltäglichen Umgangs mit Dingen in Bewegung: elektronisches Ticketing, Gepäcklogistik auf Flughäfen, Routing von Post oder Versandfracht, Dokumentenhandling in Behörden, Buchausleihe in Bibliotheken, eindeutige Medikamenten-Identifizierung und so weiter. Strichcodes sind als Durchgangskontrolle von Dingen in Raum und Zeit so allgegenwärtig, dass sie uns kaum mehr auffallen. ...

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