ARCH+ 193


Erschienen in ARCH+ 193,
Seite(n) 104-105

ARCH+ 193

Wikinger Langschiffe

Von Hensel, Michael

elastische Holzkonstruktionen für die Seefahrt

Meine Mutter sagte / Mir gebühre ein Kriegsschiff / Bald mit rüstigen Män-nern, / Raub zu holen als Wikinger. / Stehen müsst ich am Steven, / Steuern kühn den Meerkiel: / Heldengleich im Hafen. Egill Skallagrímsson (910–990) Wikingerschiffe waren schnell und hochseetauglich. In einem Wettsegeln über den Atlantik, 1893, erreichte die Viking, ein Nachbau des Gokstad-Schiffes, einen Durchschnitt von 9,3 Knoten, während die Santa Maria, ein Nachbau von Christoph Kolumbus’ Schiff, nur 6,3 Knoten1 schaffte.2 3 Die Wikinger waren Meister darin, die Eigenschaften des Holzes für ihre Zwecke zu nutzen. Der Holzschiffsbau musste seit jeher eine äußerst komplexe Aufgabe bewältigen. Die größte Herausforderung liegt dabei in der Wechselwirkung zwischen der Struk-tur des Schiffes und der Strömung des Meeres. Holzschiffe wurden in der Regel entweder stark ausgesteift, um Verformungen zu vermeiden oder aber so konzipiert, dass vom Seegang bewirkte Verformungen der Struktur instrumentalisiert werden konnten. Die gegenseitige Beeinflussung von Struktur und Strömung wird als Fluid-Struktur-Kopplung bezeichnet. Zumeist liegt eine nur einseitige Kopplung vor, wenn strömungsbedingte Strukturveränderun-gen keine entscheidende Rückwirkung auf die Strömung haben. Eine wechselseitige Beeinflussung kann jedoch sowohl in der Natur (z.B. Blutgefäße) beobachtet als auch in der Technik (z.B. Flugzeugflügel) genutzt werden.

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