ARCH+ 198/199

Kostenloser Download


Erschienen in ARCH+ 198/199,
Seite(n) 58

ARCH+ 198/199

Urbaner Holzbau

Von Kaden Klingbeil Architekten

Nachrücker Urbaner Holzbau  

Architekt: Kaden Klingbeil Architekten, Berlin

Team: Holzstatik: Pirmin Jung; Haustechnik: Planungsbüro Roth; Brandschutz: Dehne Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG; Wissenschaftliche Beratung: Fraunhofer-Institut für Holzforschung; Ausführung: Ochs GmbH  

Das Büro Kaden Klingbeil setzt auf Holzbau aus vorfabrizierten Elementen, um einen „Smart Price“ zu erzielen. Die Architekten begründen die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch: für Holz sprechen das geringe Transportgewicht, seine lokale Verfügbarkeit und die gute Eignung für vorgefertigte Systembauweisen.

Der Entwurf schlägt eine zur Straße hin zweigeschossige Bebauung vor, die, wie im Masterplan vorgesehen, optional durch Einfügung gemeinschaftlicher Nutzungen eine geschlossene straßenbegleitende Gebäudefront bilden können. Im Erdgeschoss der Straßenbebauung ist neben Technik- und Abstellräumen eine Gewerbeeinheit vorgesehen. Die rückwärtige Bebauung ist fünfgeschossig und wird als Holzskelettbau konzipiert, dessen vorgefertigte Bauteile sich in kurzer Zeit montieren lassen. Der Ausbau der Gebäudehülle ist komplett trocken konzipiert, was einen hohen Anteil an Eigenleistung (Fußbodenaufbau und Innenwände) und damit Kostenersparnis ermöglicht.

Alle Elemente der Tragstruktur (Stützen, Unterzüge, Decken- und Wandelemente mit werkseitig eingebauten Fenstern) sind streng modular aufgebaut und werden mit ihren fertigen Oberflächen eingebaut. Die Außenwand besteht aus nur vier getrennt recyclebaren Bauteilschichten. Die Massivholzwände werden dabei als tragende, raumabschließende, dämmende und feuchtigkeitsregulierende Bauelemente verwendet. Die Decke ist eine Neuinterpretation der klassischen Holz-Beton-Verbunddecke, deren Aufbauprinzip umgekehrt wird. Die Speichermasse des Betons wird dabei mit aktiver Bauteiltemperierung kombiniert.

Das für die Nutzung durch Baugruppen vorgeschlagene Projekt sieht unterschiedliche Grundrissvarianten vor, wobei die Skelettbauweise die Aufteilung der Grundrisse in Module vorgibt; Nassbereiche und Küchen erhalten Versorgungsschächte außerhalb der Tragwerksstruktur. Bis auf eine kleinere Wohnung und eine größere Maisonettewohnung besitzen alle Wohneinheiten etwa 100 qm Grundfläche.  

 

1. Rang Case Study #1 Hamburg

Architekt: Fusi & Ammann Architekten, Hamburg

Team: Ingenieurbüro Ammann IBA; Fertigbaufirma und Investor: SchwörerHaus KG  

Der Bautyp des „Stadthauses“ steht Pate für den Entwurf der Architekten Paolo Fusi und Stefanie Ammann. Sie interpretieren diese Gebäudeform als fl exiblen Lofthaustyp, der an die Lebenssituation und den Wunsch der Bewohner anpassbar ist. Der viergeschossige, T-förmige Gebäudekomplex ist auf das von der IBA ausgeschriebene Gelände abge stimmt, kann aber auch zur Füllung innerstädtischer Baulücken modifiziert wer - den. Die Basiseinheit der Lofts und des Stadthauses ist ein industriell vorfabriziertes Modul mit quadratischer Grundfläche, das bei Serienreife die angestrebten Baukosten einhalten kann. Es setzt sich aus vorgefertigten Elementen wie Spannbeton-Hohldecken und Holzfachwerk- sowie Sichtbetonwänden zusammen.

Durch horizontale und vertikale Kombination der 45 qm großen Module entstehen unterschiedliche Grundrisse. Jede Wohnung hat Garten- oder Dachterrassenzugang, einzelne Module können auch als Garage, Carport, Kellerräume oder Terrasse genutzt werden. Flexibilität verspricht auch die innere Gestaltung der relativ neutral gehaltenen Grundrisse durch nachträglich eingezogene Trennwände. Ein Schacht aus Trockenbauelementen, in dem alle haustechnischen Installationen konzentriert sind, dient dabei als Ankerpunkt für die Raumaufteilung. Um die Wohnung an unterschiedliche Tageszeiten und sich verändernde Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern anzupassen, kommen außerdem Möbel und Schiebeelemente zum Einsatz.

Mit SchwörerHaus steht den Architekten ein Partner aus der Fertighausindustrie zur Seite. Die Fertigbaufirma setzt damit auf den Trend zur Rückkehr in die Stadt und bietet mit dem Projekt ein anspruchvolles innerstädtisches Fertighaussystem als Alternative zum suburbanen Wohnen an. Damit wird ein wesentliches Ziel des Modellvorhabens „Smart Price“ erfüllt, eine preisgünstige innerstädtische Stadthaustypologie zu entwickeln, die es auch mittleren und unteren Einkommensschichten ermöglicht, sich innerstädtischen Wohnraum als Eigentum oder zur Miete zu leisten. Das Projekt interpretiert das Fertighaus in neuartiger Weise als Stadthaus, das eine innovative Bauweise im Mehrgeschosswohnbau mit niedrigen Gesamtbaukosten und Nachhaltigkeitsaspekten verbindet.

Das Energiekonzept sieht ein Frischluft- Heizsystem zur kontrollierten Lüftung und Heizung vor, das mit Fernwärme aus dem Energieverbund Wilhelmsburg betrieben wird. Der patentierte Massivbaustoff Cospan aus Holz und Zement sorgt für die Winddichtheit der Holzaußenwände. Feststehende Glaselemente können optional mit Dünnschicht-Photovoltaikelementen oder transparenter Dämmung versehen werden, um eine positive Energiebilanz zu erzielen.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!