ARCH+ 132

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Erschienen in ARCH+ 132,
Seite(n) 16

ARCH+ 132

re-print

Von ARCH+

So einfach wie die Herausgeber der neuen österreichischen Architekturzeitschrift re-print möchte man es als Redakteur gerne einmal haben: Man stellt einfach Texte nach Gusto zusammen, die die Zeit überdauert haben und druckt sie billig nach. Das Produkt, das dabei herauskommt, ist ein Sampler: Das Beste aus Architekturzeitschriften der letzten Jahrzehnte. An und für sich ist gegen eine solche Zweitverwertung nichts zu sagen, denn teilweise sind manche wichtigen Texte heute tatsächlich schwer zu bekommen. Doch selbst nachdrucken kann man so oder so: re-print tut es symbolisch auf Recyclingpapier mit einer gewissen Attitüde gegen die Kurzlebigkeit des Zeitschriftenmarkts: doch die Sehnsucht nach dem, was die Zeit überdauert, ist oberflächlich: denn bei genauerer Betrachtung erscheint re-print selbst als Zeitgeistprodukt, das ein Publikum bedient, das in komprimierter Form 'nur das Beste möglichst billig konsumieren möchte, ohne dabei näher auf Kontexte der eigentlichen Arbeiten eingehen zu müssen. Das Motto dieser Einstellung hat 'Klassikradio' mit 'Wir senden nur das Schönste der Klassik' auf den Punkt gebracht. Auch bei re-print spart man sich eine kritische Kommentierung und eine inhaltliche Einordnung der Texte: Was man bekommt, ist ein Teller voll Buntes: Sushi neben Sahnetorte mit Wiener Schnitzel, oder eben ein ARCH + Interview mit Koolhaas neben Christopher Alexanders Pattern Language mit Beiträgen zum Bauen in Österreich. Nicht, daß die gewählten Texte es heute nicht mehr wert wären, gedruckt zu werden, aber man muß etwas mit ihnen anfangen können: Selbst wenn man sie nur in Absätze zerschneiden würde, die man wieder neu über die Grenzen der einzelnen Texte hinaus rekombiniert, wäre schon mehr gewonnen als mit dem simplen und sentimentalen Nachleiern veralteter Hitparaden. Gerade bei einer nichtkommerziellen Zeitschrift, die wie re-print von Liebhabern ediert wird, könnte die Formulierung persönlicher Anliegen oder eine kritische Kommentierung der Wirkungsgeschichten der Texte bei der erneuten Lektüre neue Blickwinkel eröffnen. Informationen: Eichinger oder Knechtl Franz-Josefs-Kai 29 A - 1010 Wien Tel: 0043/1/5355424 Fax: 0043/1/5354039
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