ARCH+ 132

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Erschienen in ARCH+ 132,
Seite(n) 17

ARCH+ 132

An ARCH+ - Realspaces in Quicktime (Ole Bouman)

Von Bouman, Ole

Wir waren enttäuscht, als wir im letzten Heft von ARCH+ sahen, wie das komplexe Projekt des niederländischen Pavillons für die Mailänder Triennale auf einen architektonischen Entwurf reduziert wurde, dessen Autor Ben van Berkel ist. Der Pavillon ist das Produkt einer kollektiven Anstrengung, zu der viele unterschiedliche Spezialisten etwas beigetragen haben. Mehrere Personen zeichnen zusammen mit ihren Mitarbeitern für das Projekt verantwortlich: ich für Programm und Produktion des Pavillons, Ruud Brouwers als Beirat, Ben van Berkel als Architekt, Rene van Raalte als Art Director, Hannah Bosma als Komponistin. Cees van Giessen als Animationskünstler. Harold Houdijk als Graphiker, Just Sehimmelpenninck als Systempfleger, Jan van der Windt als Bauausführender und Ciaire Beke als Organisatorin. Sie werden sagen: Das ist aber eine langweilige Liste! Genau das ist der Punkt: Das Thema des Pavillons ist die Betrachtung der Architektur im Prozeß der Digitalisierung als kulturelles Phänomen. Da der Pavillon einerseits eine dokumentarische oder repräsentative Ebene hat, andererseits eine unmittelbar experimentelle, die auf hochspezialisierter Technik basiert, konnte er unmöglich ohne intensives Teamwork entstehen. In diesem Sinn wird auch die Architektur der Zukunft eine Organisationskunst sein. Darüber hinaus soll der Pavillon selbst zeigen, daß Teamwork auf nichtkommerzieller Grundlage hochproduktiv sein kann. Es geht also überhaupt nicht darum, im Pavillon das Werk eines omnipotenten Meisters zu sehen oder den Blick nur auf den Teil des Projektes zu lenken, mit dem ein Name in Verbindung gebracht werden kann. Was darzustellen wichtig gewesen wäre, sind hingegen Prozeß, Arbeitsbedingungen und Zusammenarbeit, denn sie sind die Pfeiler einer wirklich 'wissensintensiven' Gesellschaft. Ole Bouman (Der Autor ist Chefredakteur der holländischen Zeitschrift Archis und lehrt Architektur- und Kulturgeschichte an der Amsterdam School of the Arts.)
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