ARCH+ 132

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Erschienen in ARCH+ 132,
Seite(n) 97

ARCH+ 132

Trace - Städtischer Bewegungsraum online

Von Wenz, Florian /  Cramarzio, Fabio

Die Interaktionen zwischen natürlichen und virtuellen Systemen sind wenig verständlich, da es bisher keine gemeinsame beschreibende Sprache gibt. Virtuelle Welten haben eine wichtige Funktion als Mittler zwischen den nebeneinander existierenden Welten. Wir schlagen ein neues Stadtkonzept vor, das diese Richtung aufzeichnet. Die Installation nennt sich Trace - Spur. Trace generiert Räume, indem es die Aktivitäten von lokalen und Netzbesuchern verfolgt, sie interpretiert und darstellt. Die erfolgten Aktivitäten des Besuchers bilden daher die Substanz und den genetischen Code des Raums. Die Energie, aus der Trace entspringt, ist die Motivation des individuellen Besuchers oder Klienten, sich selbst mit Spuren darzustellen und die Spuren, die andere hinterlassen haben, zu lesen und zu interpretieren. Der erfahrbare Raum repräsentiert den Systemstatus zum Zeitpunkt des Einklinkens. Er entsteht durch den ständigen Informationsaustausch zwischen einer Datenbasis, die mit Hilfe eines Event- Agenten die Spuren speichert und anzeigt, und einem Geometrie- Generator, der sie umsetzt. Trace zeigt nur isolierte Segmente und Sektoren des Gesamtsystems in sehr vereinfachter ikonografischer Darstellung: Diese Icons bilden Besucheraktivitäten ab, samt der daraus resultierenden Wahrnehmungsmatrix. Die wichtigsten Formen sind grundsätzlich immersiv (Innenräume, privat) oder transparent (Außenräume, öffentlich). Trace ist daher keine typische Simulation, obwohl sie viele Simulationstechniken benutzt. Es ist eine Substitution des Realen im Sinne von Jean Baudrillard: "Abstraktion ist heute ... die modellhafte Erzeugung eines Realen ohne Ursprung oder'Wirklichkeit: eines Hyperrealen." Computersimulationen von städtischem Raum haben unsere Wahrnehmung und unser Verständnis bestehender Städte umgeformt. Raum, vor allem städtischer Raum, verändert seine Bedeutung. Um die Gestalt der heutigen Städte zu begreifen, müssen wir die Rolle des individuellen und öffentlichen Verkehrs im 20. Jahrhundert kennen. Um den städtischen Raum der Zukunft zu antizipieren und zu planen, müssen wir die Rolle der Kommunikation verstehen, die viele der alten Technologien obsolet macht. Florian Wenz, Fabio Cramarzio
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