ARCH+ 203


Erschienen in ARCH+ 203,
Seite(n) 14-24

ARCH+ 203

Die “Modernität” der Boomjahre 1960 – 1973.

Von Harlander, Tilman

Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre begann eine neue Phase bundesrepublikanischer Stadtentwicklung. Natürlich wurde dies den Zeitgenossen erst allmählich bewusst, aber in der Rückschau sind die Zäsuren deutlich erkennbar. Der eigentliche, auf die alten Stadtkerne bezogene Wiederaufbau war weitgehend abgeschlossen, die ärgste Wohnungsnot beseitigt. Das “Wirtschaftswunder” lief auf vollen Touren, Vollbeschäftigung war erreicht, Grenzen des Wachstums noch nicht in Sicht. Weder zuvor noch danach hat das Massenkonsummodell der “keynesianischen”, oder wenn man so will, der “fordistischen” Ära so effektiv und – trotz erster Rezessionserfahrungen 1966/67 – so reibungslos funktioniert: Die mit der Veränderung der Konsummuster expandierende Nachfrage nach Massenkonsumgütern, nach Urlaubsreisen, nach immer weiter steigender Wohnfläche ... stimulierte das Wirtschaftswachstum, die steigenden Einkommen wiederum stimulierten die Nachfrage. Der Fortschritt erschien allgegenwärtig, der sich immer deutlicher abzeichnende Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft – in der Formulierung des Titels eines breit rezipierten Buches von Jean Fourastié – als “Die große Hoffnung des 20. Jahrhunderts”. Alles war im Fluss, dynamisierte sich auf ungeahnte Weise und provozierte ein Lebensgefühl, das Hans Kampffmeyer nachträglich folgendermaßen formulierte: “Die berühmte Formel hieß: Jedem erst einmal ein Dach über’n Kopf. Ende der 50er und zu Beginn der 60er Jahre hatte man das Gefühl, wir müßten eine Schicht tiefer graben. Wir hatten zunächst einmal das Notwendige und im gegebenen Rahmen Mögliche getan, jetzt mußten wir von Grund auf neu anfangen” ...

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