ARCH+ 203

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Erschienen in ARCH+ 203,
Seite(n) 122-125

ARCH+ 203

Energetische Sanierung

Von ARCH+

Vevey – Tours de Gilamont

Abreißen, umbauen oder sanieren? Diese Frage stellte sich die Stadt Vevey als Eigentümerin der “Tours de Gilamont”, zweier 14-stöckiger Hochhäuser, die zwischen 1967 und 1969 im Norden der Stadt im Viertel Gilamont entstanden waren. Die 40 m hohen Wohnhäuser zeigten starke Alterungsspuren, die Fassaden verfielen und die Außenanlagen waren beschädigt. Im Jahr 2000 begann die Stadtverwaltung von Vevey auf Beschwerden von Einwohnern des Viertels Gilamont zu reagieren, die eine Vernachlässigung und damit auch eine soziale Ausgrenzung beklagten. Die Behörden entschieden sich für eine Sanierung und die Anpassung an neue Bau- und Wohnstandards.

Die auch heute noch vor allem an Familien mit niedrigem Einkommen vermieteten 140 Ein- bis Vierzimmerwohnungen wurden in Hinblick auf eine soziale Mischung vergrößert und die Küchen zum Wohnbereich hin geöffnet. Darüber hinaus wurden Gemeinschaftsräume geschaffen und die Außenanlagen aufgewertet. Aufgrund des Umfangs der Arbeiten mussten alle Bewohner ihre Wohnungen für den Zeitraum der Innensanierung verlassen. Die Realisierung der je 70 Wohneinheiten erfolgte in Etappen mit je 14 übereinanderliegenden Wohnungen. Insgesamt wurden so für das gesamte Projekt fünf Etappen à vier Monate veranschlagt.

Eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs wurde mit der Fassadensanierung erreicht. Zur Vermeidung von Wärmebrücken war eine durchgehende Ummantelung der Fassade mit Glaswolle der Firma ISOVER erforderlich: Mauern, Dach und Fenster wurden in das System miteinbezogen und gedämmt. Kondensatbildung und Wärmeverluste werden durch ein kontrolliertes Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung verhindert, das für einen ständigen Luftaustausch im Gebäude sorgt. Da für die zusätzlichen Lüftungsrohre im Innern des Gebäudes kein Platz mehr vorhanden war, wurden sie außerhalb des Gebäudes in der Fassadenebene verlegt. Damit dies ohne Wärmeverluste möglich ist, haben der Architekt Patrick Chiché und der Glaswollehersteller Saint-Gobain ISOVER AG für die “Tours de Gilamont” eine Lösung entwickelt, die Kanäle in die Isolationsschicht der hinterlüfteten Fassade zu integrieren. Die Dämmwolle von Saint-Gobain ISOVER wurde hierzu auf die Größe der Rohre zugeschnitten, um eine optimale Wärmedämmung zu erreichen.

Die “Tours de Gilamont” werden nach der Sanierung als erste renovierte Wohnhochhäuser der Schweiz eine dem Minergie-Label entsprechende Energiebilanz aufweisen. Das Architekturprojekt beschränkt sich jedoch nicht nur auf die grundlegende Sanierung der Gebäude. Die Fassadengestaltung soll der kulturell gemischten Bevölkerung und dem Viertel eine starke visuelle Identität verleihen. So entstand die Idee eines Dialoges aus einer schwarzen und einer weißen Eternitfassade. In Erinnerung an Charlie Chaplin, der die letzten 20 Jahre seines Lebens in Vevey verbrachte, zieren große Wandgemälde die beiden Wohnhochhäuser, die an einer Hauptverkehrsachse der Stadt liegen, über die man Vevey von der Autobahn her erreicht. Diese Lage verleiht den Hochhäusern dadurch eine herausragende Bedeutung für die Wahrnehmung der Stadt, die sich auch “Ville de images” nennt.

 

Berlin – Saatwinkler Damm

Die Fassadensanierung am Saatwinkler Damm durch Tremco illbruck wurde von zwei Instituten der Hochschule Bochum begleitet. Es ging um den Vergleich von Fugendichtungsbändern und PU-Dichtstoffen in bauphysikalischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Der Eigentümer hatte sich aufgrund der Nähe des Gebäudekomplexes zum Flughafen Tegel und dem Autobahnzubringer entschieden, in die Sanierung zu investieren. Die achtgeschossigen Plattenbauten aus den 70er Jahren umfassen 430 Wohnungen.

Im Lauf der Zeit hatten Platten und Fugen unter der Witterung gelitten. Die Mängel blieben unbemerkt, bis sich Wasserschäden in den Wohnungen zeigten. Sie waren in erster Linie auf den spröden Dichtstoff aus den 80er Jahren in den Fugen zurückzuführen. Dieser schützte zwar gegen Regen, aber das Kondenswasser konnte nicht aus der Fuge heraus diffundieren. Wegen der mangelnden Elastizität riss er in vielen Fugen an den Flanken ab und durch die defekte Außenabdichtung drang Feuchtigkeit ein. Zur vergleichenden Untersuchung wurden in die Betonfugen verschiedene Abdichtungsmaterialien eingebracht und durch Sonden die Feuchtigkeitsentwicklung aufgezeichnet.

Fazit der Untersuchungen war, dass beim Einsatz von diffusionsoffenen Fugenbändern weniger Tauwasser anfällt als bei einem Fugenverschluss mit Dichtstoffen. Da das Tauwasser aufgrund der Diffusion schneller wieder trocknen kann, ist keine Korrosion oder Schimmelbildung zu erwarten. Die Fugen müssen für Dichtungsbänder weniger sorgfältig ausgeräumt werden, daher ist auch der Arbeitsanfall geringer. Während eine Fuge mit Fugendichtstoff eine regelmäßige Wartung erfordert, stellen sich beim Einsatz von Fugenbändern so gut wie keine Folgekosten ein, da sie wartungsfrei sind. Am Saatwinkler Damm wurden die Fugen zuerst mit mineralischem Dämmstoff ausgefüllt und anschließend mit insgesamt 16.500 m illbruck TP 600 illmod 600 Fugendichtungsband abgedichtet. Dieses ist vorkomprimiert und schlagregendicht, gleichzeitig auch dampfdiffusionsoffen. Durch seine Langzeitbeständigkeit bleibt das Dichtungsband elastisch, somit werden Flankenabrisse vermieden und das Eindringen von Wasser verhindert.

 

Freiburg – Bugginger Straße

In Freiburg wurde in den letzen anderthalb Jahren das weltweit erste Hochhaus im Passivhausstandard saniert. Es handelt sich um einen 16Geschosser aus dem Jahr 1968. Kein anderer Gebäudetyp bietet bessere Voraussetzungen zur energetischen Sanierung als das Wohnhochhaus der Nachkriegszeit. Seine dichte Wohnungspackung sorgt für ein günstiges Oberfläche-zu-Volumen-Verhältnis, die große Höhe bringt hohe Solareinträge.

Die Sanierung ist Teil des Forschungsprojekts “Weingarten 2020”, das die Planung, Umsetzung und messtechnische Analyse der energetischen Gebäudesanierung und der Energieversorgung des Stadtteils umfasst. Das Freiburger FraunhoferInstitut für Solare Energiesysteme war für die Planung der bauphysikalischen Veränderungen zuständig. Zum 30 ha großen Sanierungsgebiet für 5800 Menschen gehören neben drei weiteren Hochhäusern auch acht- und viergeschossige Mehrfamilienhäuser sowie Nichtwohngebäude. Wie in vielen Siedlungen der 60er Jahre leben auch in Freiburg-Weingarten größtenteils Mieter mit geringem Einkommen. Da steigende Energiepreise die Warmmieten in die Höhe treiben, soll die energetische Sanierung auch dafür sorgen, dass es im Stadtteil langfristig ausreichend bezahlbaren Wohnraum gibt. Damit die anspruchsvolle Sanierung zum Passivhaus sich mit sozial verträglichen Mieten vereinen lässt, wurden zusätzliche Wohnungen geschaffen.

Die üppigen Wohnungsgrößen des Hochhauses entsprachen nicht mehr heutigen Marktbedingungen. Die Grundrisse waren veraltet, die Flächen zu groß, und die langen schmalen Balkone nicht mehr zeitgemäß. Pro Geschoss gibt es jetzt neun Wohnungen statt sechs; die 3-Zimmer-Wohnungen haben eine Wohnfläche von 70 qm statt 86 qm, bei den 2Zimmer-Wohnungen sind es 50 qm statt 64 qm. Auf diese Weise entsteht Platz für 49 zusätzliche Wohneinheiten. Der Primärenergiebedarf des gesamten Stadtteils soll bis 2020 um 50 % gesenkt werden.

Der Heizwärmebedarf des Gebäudes hat sich um 80 % reduziert. Wesentliches Element der Ertüchtigung war die Sanierung der Gebäudehülle. Dazu gehörte die Minimierung von Wärmebrücken, etwa die thermische Trennung der Balkone. Die bislang vor der Schottenfassade durchlaufenden Freisitze wurden zum Teil abgeschnitten, die restlichen eingehaust. Fassaden und Kellerdecken wurden mit 20 cm, das Dach mit 40 cm Dämmung eingepackt, die Rollladenkästen gedämmt. Sämtliche Fenster sind nun mit Dreifachverglasung ausgestattet, deren Uw-Wert zwischen 0,8 und 0,9 W/m²K liegt. Zur Realisierung der notwendigen Luftdichtheit nach Passivhausstandard dichtete der Fensterbauer Kneer-Südfenster die 86 mm tiefen Mehrkammerprofile mit der Fensterfolie illbruck ME500 TwinAktiv von Tremco illbruck ab. Diese eignet sich aufgrund ihrer Flexibilität besonders für Fensterfugenabdichtungen an Umbauten. Es gibt sie in vielen verschiedenen Varianten, so mit Bewegungsfalte für besonders unregelmäßige Fugen und zu erwartende Bewegungen, mit mehreren Klebebefestigungen für die unterschiedlichsten Anschlüsse, mit Keder zum Einklinken in Kunststofffensterprofile und zum Einputzen in die Fensterlaibung.

Im abschließenden Test auf Luftdichtigkeit, dem Blower-Door-Test, erreichte das Freiburger Hochhaus einen Wert von 0,25 – deutlich unter dem Grenzwert für Passivhäuser von 0,5. Bauphysikalisch sorgt die flexible Folie für dauerhaft trockene Fensteranschlussfugen und damit für die Unterbindung von Wärmebrücken etwa aufgrund von Durchfeuchtung oder Schimmelbefall. Möglich wird das durch die feuchtevariable Einstellung der Folie. Ihr Dampfdiffusionswiderstand passt sich den Feuchteverhältnissen in der Fuge an. Üblicherweise verläuft der Weg des Dampfdrucks vom warmen Inneren des Gebäudes nach außen. Dort entweicht der Dampf durch die Folie nach draußen. Mitunter jedoch, etwa wenn die Sonne auf das Fenster scheint, kehrt sich der Weg des Dampfdrucks um. In diesem Moment wird die Folie – anders als andere Abdichtungsprodukte, etwa Silikon – nach innen durchlässig; nicht auf Dauer, sondern nur so lange, bis sich die Druckverhältnisse “normalisieren” und die Feuchtigkeit wieder nach außen entweichen kann. Die Fuge bleibt so trockener, die Wärmedämmung ist besonders gut geschützt.

Neben der ertüchtigten Gebäudehülle tragen verschiedene technische Komponenten zur Energieeffizienz bei: kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage mit 24 kW. Während der nächsten zwei Jahre werden durch Messungen von Warmwasser-, Haushaltsstrom- und Wärmeverbrauch sowie Fensterkontakten die Berechnungen überprüft. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in künftige vergleichbare Planungen einfließen.

 

München – Boschetsrieder Siedlung

Die kriegsbedingten Zerstörungen in der “Siemensstadt” in Berlin waren der Grund für eine Verlagerung verschiedener Siemens-Werke, der Firmensitz selbst wurde nach München verlegt. Hier mussten für die Angestellten neue Wohnungen geschaffen werden, zu der Zeit eine mindestens ebenso wichtige Aufgabe wie der Wiederaufbau der Produktionsanlagen. Der Kölner Architekt Emil Freymuth wurde damit beauftragt, 530 Wohnungen zu planen. Die Boschetsrieder Siedlung knüpft an die Tradition der “Siemensstadt” in Berlin an.

2006 wurde das Architekturbüro Koch + Partner beauftragt, die Siedlung in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege zu sanieren und die Anmutung der 50er Jahre wieder herzustellen. Die Rekonstruktion war nur anhand von Originalfotos, Originalplänen und Bestandsuntersuchungen möglich, da die Siedlung in den 80er Jahren schon einmal saniert worden war. Durch das Wärmedämmverbundsystem, die eingebauten Kunststofffenster sowie den neuen Dachstuhl blieb von dem ursprünglichen Erscheinungsbild der Gebäude wenig übrig. Die Sanierung verfolgte das ehrgeizige Ziel, den EnEV 2007 Standard um 3050 % zu unterbieten. Dazu wurde ein mineralisches Wärmedämmverbundsystem, das KEIM Klassik System aufgebracht und Fenster mit 3fach Verglasung eingebaut. Tiefe Fensterlaibungen infolge der neuen Wärmedämmung hätten das Erscheinungsbild gestört. Daher wurden die neuen Fenster in die neue Dämmebene gesetzt.

Ebenso wichtig für die Rekonstruktion war es, die für die 50er Jahre typische schmale Dachkante wiederherzustellen. Das vorhandene Dach wurde komplett rückgebaut, die Dachsparren aus den 80er Jahren zu einer neuen Dachkonstruktion umgebaut und mit entsprechenden Dämmmaßnahmen wieder auf die vorhandene Betondecke gesetzt. Aufgrund der zusätzlichen Wärmedämmung verschmälerte sich der Dachüberstand. Um dies auszugleichen und das Originalmaß von 50 cm wieder herzustellen, wurde der Dachüberstand verlängert und zusätzlich eckige Regenrinnen eingeplant, die die Dachkante noch schmaler wirken lassen.

Die Putzoberflächen aus KEIM-Brilliantputz und die KEIM-Farben (Soldalit/Kieselsolsilikat), die das Wärmedämmverbundsystem kaschieren, wurden vor Ort bemustert und zusammen mit der Denkmalpflege festgelegt. Erst nach vollendeter Sanierung wurde den Projektbeteiligten wirklich klar, welche Gestaltqualität in diesen Gebäuden aus den 50er Jahren verborgen gewesen war.

 

Hamburg – Bebelallee

Die Nachfrage nach Wohnraum ist im Hamburger Stadtteil Alsterdorf – wie auch in der gesamten Hafenmetropole, deren Bevölkerung nach Schätzungen bis 2020 um knapp 5 % wachsen wird – kaum zu befriedigen. Vor diesem Hintergrund entschloss man sich zu einer Nachverdichtung im Quartier Bebelallee. Die Bestandsbauten zeichneten sich durch sparsamen Materialeinsatz aus und verfügen über statische Reserven in Konstruktion und Gründung, die eine Aufstockung erlaubten. Diese wurde als Leichtbaukonstruktion in HolztafelFertigbauweise ausgeführt, die noch den Vorteil bot, in relativ kurzer Bauzeit und mit geringem Baulärm die Aufstockung über dem bewohnten Bestand zu realisieren. Da mit den Aufstockungen die Gebäude automatisch von der Brandschutzklasse 3 in die Klasse 4 wechselten, mussten vielfältige Auflagen erfüllt werden. So mussten u.a. die Holzrahmenelemente mit einer Bekleidung versehen werden, die im Brandfall für einen Zeitraum von 60 Minuten (K60) die Konstruktion vor Entzündung kapselt.

Ausgeführt wurde diese Bekleidung der Holzkonstruktion mit Fermacell Gipsfaser-Platten. Die Platten gewährleisten je nach Konstruktion Brandschutz bis zur Feuerschutzklasse F 120 und sind A 2 klassifiziert. Sie wurden sowohl für die Innen- als auch für die Außenwandkonstruktion eingesetzt. Die Wände sind beidseitig mit einer doppelten Lage aus 15 mm dicken Fermacell Platten beplankt und mit einer Dämmung aus Steinwolle WLG 035 im Hohlraum versehen. Sie wurden in Standardbreite und der erforderlichen Höhe im Werk vormontiert. Die Befestigung der Platten erfolgte auf einer Unterkonstruktion aus Vollholz mit verzinkten Stahlklammern. Sämtliche Innen- und Außenwände sowie das Dach wurden komplett ausgestattet per Tieflader zur Baustelle geliefert und montiert.

Insgesamt konnte mit dem realisierten Entwurf von blauraum Architekten die Wohnfläche der Häuser an der Bebelallee nahezu verdoppelt werden. Einer Fläche von 9600 qm im Bestand steht eine durch Aufstockung gewonnene Fläche von 8600 qm gegenüber. Der Ersatz des alten Sattelkaltdaches durch zwei Stockwerke mit bekiestem Flachdach hat zudem das Oberfläche-zu-Volumen-Verhältnis der Gebäude positiv verändert. Während die Wohnungen der Altbauten mit ein bis drei Zimmern und Größen zwischen 40 und 70 qm typisch für Siedlungen der 50er und 60er Jahre sind, wurden die Grundrisse der Aufstockungen großzügiger konzipiert. Entsprechend der anvisierten Zielgruppe sind insgesamt 47 hochwertig ausgestattete Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen (vorwiegend Maisonetten) für Familien in Größen zwischen 70 und 150 qm entstanden. Entgegen den ursprünglichen Vorstellungen des Bauherrn konnte durch die Aufstockung der sechs zwei- und dreigeschossigen Baublöcke von 1959 der offene Charakter des Quartiers erhalten bleiben.

 

Darmstadt Mathildenhöhe – Neufert Meisterbau

Im stark zerstörten Darmstadt fanden in den 50er Jahren die “Darmstädter Gespräche” statt, die sich mit der architektonischen Neuorientierung nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzten. Auf dem Kongress “Mensch und Raum” wurde 1951 darüber diskutiert, wie der Mensch als wichtigster Maßstab architektonischen Handelns in Zukunft wohnen und leben sollte. Elf sogenannte Meister-Architekten wurden mit der Planung verschiedener Gebäude beauftragt, fünf davon wurden realisiert. Einer der Meister-Architekten war Ernst Neufert. Er konzipierte in der Nachbarschaft der Künstlerkolonie Mathildenhöhe ein Wohnheim für Alleinstehende.

Die Architekten Karle und Buxbaum wurden 2000 damit beauftragt, den denkmalgeschützten Komplex grundlegend umzubauen. Weder die technische Ausstattung noch die minimierten Wohnungsgrößen entsprachen den aktuell geltenden Standards und genügten den Anforderungen des Wohnungsmarktes. Unabhängig von gestalterischen Lösungen mussten die Architekten vor allem gravierende bauphysikalische und bautechnische Mängel lösen. Das 8-geschossige Hochhaus wurde um ein Geschoss aufgestockt, die zwei unterschiedlich langen, je nach Verlauf des stark abfallenden Geländes 3- bis 4-geschossigen Riegel verlängert. 137 vorwiegend 1-Zimmer Appartments wurden zu 89 Atriumwohnungen, Maisonettewohnungen und großzügigen 2- und 3Zimmer-Wohnungen zusammengelegt. 19 Appartements wurden in ihren ursprünglichen Abmessungen erhalten. Die denkmalgeschützte Klinkerfassade mit ihren Betonbalkonen blieb unverändert.

Die vorhandene Bausubstanz bot wenig Schalldämmung und Wärmeschutz, zudem ließ die Statik keine große Erhöhung der Lastannahmen zu. Zur schalltechnischen Ertüchtigung der 11,5 cm dicken Wohnungstrennwände wurden beidseitig biegeweiche Knauf Vorsatzschalen W626 angebracht. Die abschließende Prüfung der Luftschalldämmung zeigte, dass die Wohnungstrennwände ein Bau-Schalldämm-Maß R´w,R von 56 bis 59 dB erreichten und damit unter den Mindestanforderungen lagen. Was den Wärmeschutz betraf, so betrug der U-Wert der Außenwand in großen Teilen 1,8 W/m2K. Es mussten also Maßnahmen zur Reduzierung des Heizenergiebedarfs ergriffen werden. Da die Fassade unter Denkmalschutz steht, kam nur eine Innendämmung in Frage. Dabei nahmen gestalterische und bauphysikalische Anforderungen Einfluss auf die Bemessung der Dämmstärke. Auch hier konnte die Sanierung durch die Installation einer Vorsatzschale realisiert werden. Zur Ausführung kam eine Bekleidung mit Knauf Verbundplatten MW der Baustoffklasse A2 mit integrierter Dampfsperre. Bei einer Gesamtdicke von 42 mm und einem Wärmedurchlasswiderstand von 0,81 m2K/W konnte eine Oberflächentemperatur an der Innenseite der Außenwand erreicht werden, die eine Kondensatbildung bei üblicher Raumnutzung im Winter vermeidet. Der U-Wert der Außenwand konnte dadurch auf 0,622 W/m2K verbessert werden. Zur Vermeidung von Schimmelbildung an der Decke im Bereich der auskragenden Balkonplatte wurden ebenfalls Verbundplatten MW als 50 cm breiter Streifen eingebaut.

 

Saarlouis - Rathaus

Das zwischen 1951 und 1954 errichtete Rathaus orientiert sich am historischen Grundriss der 1680 gegründeten Vaubanschen Festungsstadt. Der Stahlbetonskelettbau wurde mit Ziegelsteinen ausgefacht. Großflächige Jurakalk-Platten sind an der Schauseite zum Großen Markt angebracht. Die Seitenflügel sind als Putzfassaden mit Natursteinumfassungen ausgeführt. Eine Außendämmung schied von vornherein aus.

Innovationen im Bereich der Innendämmungen erlauben es mittlerweile, das leidige Problem der Feuchtigkeitsbildung zu umgehen. Bei der Sanierung des Rathauses in Saarlouis 2010 wurde als Innendämmung das robuste und einfach zu verarbeitende System TecTem Insulation Board Indoor von Knauf Perlite eingesetzt. Es hat gute thermische Kennwerte (λ = 0,045 W/mK) und soll sich positiv auf das Raumklima auswirken: Mit dem pH-Wert 10 und der Fähigkeit, die Luftfeuchtigkeit zu regulieren, ist die mineralische Platte zur Dämmung und gleichzeitiger Vermeidung von Schimmelpilz geeignet. Sie nimmt Kondensat auf und gibt es zeitverzögert wieder ab (der Wasseraufnahmekoeffizient AW beträgt ca. 1,98 kg/m2s0,5, der Wasserdampfdiffusionswiderstand μ = 5-6). Feuchtespitzen in der Raumluft werden abgepuffert und die Oberflächentemperatur der Wand erhöht.

Bei dem Rathaus wurden 60 mm dicke Dämmplatten und das ergänzende TecTem-Zubehör verarbeitet. Laibungsplatten, Klebespachtel, Füllmörtel, Grundierung, Gewebe und Flächenspachtel sind aufeinander abgestimmt und gewährleisten die Kapillaraktivität des Gesamtsystems. TecTem Platten sind härter als andere Platten zur Innendämmung, die Ecken und Kanten können sehr stabil und sauber auf Maß zugeschnitten werden. Auf eine Dampfsperre kann bei TecTem Insulation Board verzichtet werden, da das natürliche mineralische Material kapillaraktiv ist und große Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Damit ist eine wesentliche Gefahrenquelle für Mängel bei der Innendämmung ausgeschlossen.

Bei herkömmlichen Dämmsystemen mit Dampfsperre muss diese absolut luftdicht ausgeführt werden, um den Tauwasserausfall in der Dämmebene zu vermeiden. Schon wenige undichte Stellen (Steckdosen, Kabeldurchlässe etc.) machen eine Dampfsperre wirkungslos. Kapillaraktive Systeme sind hier im Vorteil. TecTem Insulation Board besteht aus dem natürlichen Rohstoff Perlit und mineralischen Bindemitteln. Die Platte ist absolut faserfrei und ohne Gesundheitsrisiken einzusetzen Die Herstellung von Knauf Perlite macht sich die physikalischen Eigenschaften des vulkanischen Perlit-Gesteins zunutze. Das glasartige Rohgestein wird mechanisch zerkleinert und anschließend abrupt auf über 1000° C erhitzt. Dadurch wird es zähflüssig, während gleichzeitig das eingeschlossene Wasser verdampft und dabei das Korn auf das 15-20fache Volumen auftreibt. Es bildet sich ein weißes Granulat mit Korngrößen von 0-6 mm. So entsteht Blähperlit, ein leichtes, durch die innere Aufporung wärmedämmendes Granulat. Perlit ist ein unerschöpflicher Rohstoff, Vulkanaktivitäten sorgen für dauernden Nachschub.  

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