ARCH+ 148

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Erschienen in ARCH+ 148,
Seite(n) 16

ARCH+ 148

Tanzende Geometrie - Tanzwerstatt "No limit" in Berlin-Weissensee

Von Meyer, Ulf

Als ökologisches Modellprojekt sollte eine Schulkantine in Berlin zur Tanzwerkstatt umgebaut werden. Der Umbau wurde von der Initiative URBAN und dem Senat unterstützt. Bei der Fassade haben die Architekten Grossmann und Vasalla aus Berlin Mut zum Ornament bewiesen. Sie wurde als “Kunst am Bau" finanziert und soll auf das versteckte Gebäude aufmerksam machen und das Selbstbewußtsein des Vereins manifestieren, der für einen langjährigen Nutzungsvertrag des Gebäudes kämpfen mußte. Der Verein No Limit bildet 300 Jugendliche in Tanz, Theater und Musik aus. Der eingeschossige Typenbau ist allein in Berliner Neubausiedlungen über zwei Dutzend Mal errichtet worden.

Die Tragkonstruktion besteht aus geschweißten Stahlprofilen, vorgefertigtem Beton-Faltdach und aussteifenden Mauerwerkswänden. Weil es keine Schulspeisung mehr gibt, sind sie alle ihrer Nutzung beraubt, sie eignen sich aber als Jugendfreizeiteinrichtungen. Für den Umbau und die Nutzung müssen Träger gefunden werden. Das führt zu Leerstand, unzureichender Bauunterhaltung, Vandalismus zur Sperrung. Für den Gebäudetypus hat der Senat 1995 ein Gutachten für die Modernisierung erarbeiten lassen.

Die zurückhaltende Architektur nutzt “Einfachheit als Qualität”. Die großen Fenster des Tanzsaals in der ruhigen Fassade geben den Blick frei ins Grüne. Die Eingangsseite verrät wenig vom Innenleben, das durch innenliegende Holzrollläden gegen Blicke abgeschirmt werden kann. Fassaden und Wärmedämmung wurden erneuert: Die großen Fenster zum Saal werden durch Wandscheiben rhythmisiert. Die frei im Raum vor den Fenstern stehenden Stahlstützen stehen jetzt vor den Wandscheiben. Die neuen Fenster wurden so weit nach außen gerückt, daß die Stützen in der Fassade auf der Innenseite von außen gedämmt werden können. Zur Verbesserung des Tageslichtbeleuchtung wurde eine V-Schale durch ein Oberlichtband ersetzt. Das Haus bekam neue Holzfenster mit einem hohen Festverglasungsanteil und Wärmeschutzverglasung.

Der Fassadenentwurf des Architekten und Künstlers Thomas Weil beruht auf einem einfachen geometrischen Grundmuster aus Quadraten und Rauten. Daraus entwickelt Weil vielfältige Ornamente und Variationen. Durch die Stellung der Linien im Winkel von 22,5 Grad zur Senkrechten und Horizontalen wird sie lebendig, bekommt Dynamik und Rhythmus. Der Wandaufbau und die offenporige Wärmedämmung haben die Farbwahl eingeschränkt. Auf dem feinkörnigen Putz durften nur diffusionsoffene Mineralfarben auf Silikatbasis verwendet werden.

Die Volltöne (Eisenoxidrot und Erdschwarz) wurden nicht mit Weiß aufgehellt, sondern farblos verdünnt. “Schwarz ist die Farbe des Ernsts und der Konstruktion, Rot die Farbe höchster Bewegung. Weiß ist verbindendes Element”, so Weil. Bei der flächigen Wandbemalung ist der Untergrund rauh und saugfähig-porös. Die 50 cm breiten Streifen sind so stark, daß sie auch Graffiti ertragen. Die Abstraktion war den Nutzern zunächst unverständlich und stieß auf Ablehnung. Als Lösung des Konflikts schlugen die Architekten vor, neben dem Haupteingang eine Plakatwand aus leichten Holzkeilrahmen zu installieren, die mit Leinwand bespannt wird.

Weil hat das “tänzerischste" Ornament aus seinem Repertoire ausgewählt, damit die Fassade mit der Funktion des Hauses im Zusammenhang steht. Mit Mitteln der Geometrie will er in einer deutlichen Sprache sagen, was andere Entwürfe gegenständlich ausdrücken.

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