ARCH+ 151

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Erschienen in ARCH+ 151,
Seite(n) 15

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Popup und Cocolo (Mahoko Hoffmann)

Von ARCH+

Dagegen sieht man häufig fahrbare Küchen. Tagsüber stehen sie zusammengeklappt und scheinbar herrenlos unauffällig am Straßenrand, in Nischen oder Ecken. In der Dämmerung werden sie aufgebaut, um die nach Hause eilenden Angestellten, Sekretärinnen und Stadtnomaden zu bewirten. Sie stehen vor Supermärkten und Bahnhöfen oder auf Parkplätzen. Sie heißen Yatai und genießen eine lange Tradition im öffentlichen Raum Japans. Angeboten werden Gerichte verschiedenster Art, Nudelsuppen, Grillspieße, Tintenfischbällchen etc., wobei jede Küche sich auf ein bestimmtes Gericht spezialisiert hat. Die Wirte sind Reisende, die nur für wenige Tage an einem Ort verweilen. Zwei Projekte haben sich unabhängig voneinander in Tokio und Berlin die Yatai-Kultur zum Vorbild genommen, um mit ihren Veranstaltungen in den öffentlichen Raum zu treten.

In Tokio entstand das Popup-Projekt. Japanische und ausländische Architektur- und Kunststudenten der Tokio Universität möchten mit einem Zelt ausgewählte Orte zu besonderen Anlässen temporär beleben. Vor dem Hintergrund der Großstadt, die sich wie ein riesiger Organismus ständig transformiert, immer in Bewegung ist und neue Bilder produziert, ist in Tokio das PopupProjekt entstanden. Es besteht aus dem Zelt und einem Veranstaltungskonzept. Die Macher sehen Popup als Maßnahme, um aus der Entfremdung der Großstadt auszubrechen. Die Wahrnehmung unserer Umwelt sei geprägt von Künstlichkeit und der Fortbewegung in hoher Geschwindigkeit über und unter der Erde, was zum Verschwinden räumlicher Identität führe. Es sei schwierig geworden, unsere Gefühle zu unserer Umgebung in Beziehung zu setzen. Popup will sich einmischen, den öffentlichen Raum beleben und Treffpunkt für Diskussion und Ideenaustausch sein. Das Popup-Zelt ist als Bühne, Leinwand oder Dach zur Bewirtung von Gästen einsetzbar und wird regelmäßig an verschiedenen Orten in Tokio aufgestellt. Popup-Events finden an sorgfältig ausgesuchten Standorten statt. Unterstützt von Video- und Diapräsentationen, DJ-Acts und Kunstinstallationen werden bestimmte Aspekte neuerer Stadtentwicklung reflektiert. Nachdem das Popup-Café verschwunden ist, bleibt es in der Erinnerung der Teilnehmer als ein eigenes Bild in Tokio. Das Zelt besteht aus elf Bambusstangen von vier Metern Länge, Zeltstoff, Stahlseilen und Befestigungsteilen und kostet 250 Euro. Info unter: http://kingo.t.u-tokyo.ac.jp/platform_c/popupcafe /index.html

In Berlin wurde die Yatai-Idee aufgegriffen. Eine Suppenküche wurde nachgebaut und in Detail und Funktion perfektioniert. Die fahrende Küche macht meist an ungenutzten Orten Station, um diese temporär mit Leben zu füllen. Unter dem Motto “eating communication" wird regelmäßig eine Community von Japan-, Design-, Musik- und Nudelsuppen-Interessierten per Mailing-List zu den Events von Cocolo (= jap. Herz) eingeladen. Diese finden in leeren Läden, Hofeinfahrten, in Hinterhöfen, Kellern, auf Wiesen und Plätzen statt. Zu japanischem Club-Pop, authentischen Details werden dem interessiertem Publikum original japanische Ramen und Udon (Nudelsuppen) angeboten. Betrieben wird sie von dem Designer Oliver Prestele mit mehreren japanischen Kreativen. Info unter: cocolo@gmx.de

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