ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 54-61

ARCH+ 204

Postmoderne Revisited – Das Gespenst der Utopie

Von Martin, Reinhold

Was tun? Noch einmal von vorn anfangen und uns wieder mit der „Wohnungsfrage“ befassen.  Uns an das Beispiel des sozialen Wohnungsbaus erinnern als Sinnbild par excellence für das vermeintliche Scheitern der Utopie der Moderne. Und daran, dass dieses Scheitern einem Abgrenzungsproblem entspricht, das die diskursive Ökonomie der Postmoderne auf den Punkt bringt: dem Problem, zwischen dem, was real ist und dem, was nicht real ist, zu unterscheiden. Ein Beispiel: Historische Versuche des Staates, die Bevölkerung angemessen mit Wohnraum zu versorgen, etwa das gescheiterte Projekt „Pruitt-Igoe“ , werden immer wieder als Schreckgespenst hervorgezogen und als „realistische“ Warnungen vor zu ehrgeizigen Visionen bemüht. Um diesem Zirkelschluss zu entkommen, muss man das Wirkliche „entwirklichen“. Entwirklichung bedeutet, am Schnittpunkt von Repräsentation und Produktion denken zu lernen. Erstens, indem man die vermeintlichen „Gegebenheiten“ kritisch hinterfragt. Und zweitens, indem man dem Unwirklichen, das heißt, der Utopie ihren wahren Status als etwas Performatives zurückgibt. Nicht, um Utopien zu verwirklichen, sondern um mit deren Gespenstern zu leben.

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