ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 76-79

ARCH+ 204

Rekonstruktivismus als soziale Bewegung

Von Fischer, Joachim

In den letzten 20 Jahren hat die Rekonstruktion von Gebäuden und ganzen städtebaulichen Ensembles Konjunktur. Doch intellektuell hinken sowohl Befürworter als auch Gegner der Dynamik des Phänomens hinterher. Die Architekturkritik verwirft es pauschal und hadert mit der öffentlichen Akzeptanz von Rekonstruktionsprojekten.  Die „gebauten Geschichtsbilder“ werden als Antithese zum gegenwärtigen, als modern und global begriffenen Leben dargestellt.  Daran können auch gelehrte Reflexionen über das Phänomen „Rekonstruktion“ in der Geschichte  nichts ändern – schlicht deshalb, weil sie nicht systematisch soziologisch ansetzen. Es gilt weiterhin der Schlachtruf: „Kampf dem Attrappenkult.“ Sieht man genau hin, vollzieht sich neben dem fortlaufenden „Konstruktivismus“ der Moderne und dem in die städtische Bausubstanz demonstrativ einschneidenden Dekonstruktivismus (Libeskind-Paradigma) etwas, das man in seiner Wucht nur als „Rekonstruktivismus“ bezeichnen kann, hinter dem eine soziale Bewegung steht. Die Frage ist daher weniger, ob „Rekonstruktion“ ästhetisch oder ethisch gut oder schlecht sei, sondern wie man dieses Phänomen zu Beginn des 21. Jahrhunderts soziologisch aufklären kann. Helfen kann hier nicht die „Architekturkritik“, sondern nur eine neu verstandene „Architektursoziologie“ , die systematische Kategorien für die „Architektur der Gesellschaft“ bildet.

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