ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 18-21

ARCH+ 204

Krisen der Repräsentation und Kriege der Bilder

Von Ursprung, Philip

Im Mai 2011 sprachen Rem Koolhaas und Bernard Tschumi an der ETH Zürich über ihren Werdegang und ihren Umgang mit Geschichte. Als der Moderator, Stephan Trüby, eine Folie präsentierte, auf der die Entwicklung der internationalen Wechselkurse nach dem Ende der Verträge von Bretton Woods und die Aufhebung des Goldstandards durch Richard Nixon 1971 dargestellt waren, leuchteten die Augen der beiden auf. Das Diagramm zeigte, wie die Deutsche Mark, der Schweizer Franken, der Yen und der Goldpreis in den 1970er Jahren in die Höhe kletterten, in der ersten Hälfte der 1980er Jahre abtauchten, um dann, gegen Ende des Jahrzehnts, erneut nach oben zu schießen, während das Britische Pfund kontinuierlich an Wert verlor. Das Geflecht aus Linien erinnerte an ein zerklüftetes Gebirge. Lange Abhänge markierten Phasen der Depression, Steilhänge zeugten von Boomzeiten, und jeder der vielen Gipfel stand für einen Umbruch, eine Krise. Koolhaas und Tschumi blickten fasziniert auf das Diagramm. Es war deutlich, dass sie das Bild der entfesselten Märkte als ein ästhetisches Phänomen wahrnahmen, fast wie ein Naturschauspiel, gewissermaßen als Horizont jener politisch-ökonomischen Landschaft, in der ihre Karrieren begonnen hatten. ...

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